"Aber es ist eben nur ein Titel", sagt Bischof Meier. "Ich betrachte ihn nicht als Anerkennung der Arbeit eines einzelnen Menschen, sondern als Anerkennung der Missionsarbeit insgesamt." Den Rang "GCL" tragen zu dürfen, sei eine Ehre. "Aber ich kann mich jetzt nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen", sagt der Steyler Missionar. "Ein Chief hat die Pflicht, ein Führer und Vorbild zu sein. Ich will fortfahren, den Menschen dabei zu helfen, sich kulturell und religiös weiterzuentwickeln." Weit über 40 Jahre ist Michael Meiers Arbeit nun schon von diesem Leitsatz geprägt. 1962 kam der Steyler Missionar nach Papua-Neuguinea, arbeitete zunächst acht Jahre als Professor für Kirchengeschichte am Holy-Spirit-College in Port Moresby. Doch die Hitze setzt ihm so stark zu, dass er 1970 ins klimatisch angenehmere Hochland wechselte und dort die Jugendarbeit in der Diözese Mount Hagen übernahm. "Mir war es immer wichtig, herauszufinden, was die Menschen vor Ort bewegt", erinnert er sich. "Man muss sie dort abholen, wo sie sind: in ihrer Kultur. Die Menschen in Papua-Neuguinea mögen aus europäischer Sicht wenig Bildung genießen können, aber sie haben einen gesunden Menschenverstand, mit dem sie uns häufig weit voraus sind." 1984 wurde Meier zum Koadjutor, dem Amtsgehilfen des Erzbischofs ernannt, dem er schließlich 1987 im Amt nachfolgte. "Mit meiner Amtsübernahme begann, wenn man so sagen kann, die dritte Phase in der Kirche von Mount Hagen: Die Schaffung eines pastoralen Plans für die Erzdiözese", sagt Meier im Rückblick. "Ein Hauptmerkmal war die Schaffung von Basisgruppen, sodass die Laien auf allen Ebenen kirchlicher Arbeit eingebunden werden." Weiterhin machte es sich Meier zur Aufgabe, insbesondere geistliche Berufe und die Schulbildung in der Diözese zu fördern. Auch die Krankenfürsorge und die Betreuung von HIV- und AIDS-Patienten wurden ausgebaut. Längst hat Meier das Amt des Erzbischofs von Mount Hagen weitergegeben. Von Ruhestand aber kann keine Rede sein. "Soll ich mich etwa hinsetzen und sagen: Das war es?", fragt der 81-Jährige beinahe empört. "Da vertrödelt man doch die Zeit, das wäre keine Befriedigung für mich." Eine der aktuellen Baustellen des emeritierten Bischofs heißt: Trinity FM – ein katholischer Radiosender, dessen Sendemast direkt neben dem Bischofshaus in Mount Hagen steht. "Die Unterhaltung einer Radiostation ist eine zeitgemäße Methode, das Evangelium zu verkünden und sozial zu wirken", ist Meier überzeugt. 2003 ging der Sender auf sein Betreiben hin "on air", besonders beliebt sind die "Call-In-Programme" von Trinity FM, bei denen sich die Hörer direkt via Telefon am Programm beteiligen, Fragen stellen und religiöse Musik wünschen können. An den Wochenenden tut Meier Dienst in einer der sechs Außenstationen, für deren Seelsorge er seit 2006 verantwortlich ist. "Auch hier unterstütze ich die Leute dabei, Basisgemeinschaften aufzubauen", erklärt er. Fiel ihm die Umstellung von seinem Bischofsamt auf die Arbeit eines "normalen" Gemeindeseelsorgers schwer? "Überhaupt nicht, denn als Bischof ist man hier den Menschen viel näher als in Europa", sagt er. "Jeder kann direkt zum Bischof kommen, wenn er ein Anliegen hat. Wer anklopft, wird sofort empfangen. Das ist als Gemeindepfarrer nicht anders." Und auch nach Feierabend legt Meier die Hände nicht in den Schoß. In einer Schriftenreihe hat er in den vergangenen Jahren damit begonnen, sich aktuellen religiösen Fragestellungen zu widmen. Denn: "Die Sekten in Mount Hagen vermehren sich stärker und stärker. Inzwischen gibt es über 50 verschiedene Gruppen, von den Adventisten bis zu den Assemblies of God. Ihr "emotionaler" Stil, der unsere liturgische Gottesdienst-Ordnung sehr starr erscheinen lässt, spricht vor allem die Jugend an. Viele lassen sich davon beeinflussen." Seine Schriften sollen gerade jungen Menschen dabei helfen, sich angesichts des Überangebots an Glaubensrichtungen zu orientieren. "Ich möchte ihnen in einer allgemeinverständlichen Sprache vermitteln, dass der Glaube etwas Wesentliches, Essenzielles für ihr Leben ist", sagt Meier. "Und ich möchte ihnen erklären, warum wir ihn so feiern, wie wir ihn feiern."
81 Jahre alt ist Bischof Michael Meier, und doch denkt er weder ans Aufhören noch an eine Rückkehr nach Deutschland. "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin, aber mein Herz schlägt für Papua-Neuguinea", sagt er. Weil das Leben auf der Pazifik-Insel einfacher sei als in Europa. "Wenn man in Deutschland über die Straße geht und wildfremde Menschen grüßt, wird man sofort komisch angeguckt. Wenn ich in Papua-Neuguinea durch die Stadt spaziere und zu den Händlern komme, die dort Kakao oder Nüsse verkaufen, schütteln wir uns sofort die Hände, reden ein bisschen, dann geht es weiter. Das ist alles viel ungezwungener." Deshalb will Bischof Meier noch so lange aktiv bleiben, wie es seine Gesundheit erlaubt. "Ich habe einst das Versprechen gegeben, für das Reich Gottes da zu sein – und zwar mein Leben lang", sagt er. "Das war mein Entschluss, meine Wahl. Und in diesem Sinne will ich versuchen, jeden Tag zu leben. Ob man als Missionar alt oder jung ist, zählt nicht." |