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Wie groß ist der Himmel
Spätestens wenn ein naher Angehöriger oder das Haustier stirbt, beschäftigen sich Kinder mit Themen wie Tod und dem Weiterleben danach. Die Vorstellungen sind je nach Alter unterschiedlich, immer jedoch gilt: Die Fragen der Kinder authentisch beantworten!
Wie groß ist denn der Himmel? Hat Gott eine Küche? Sind auch die Urmenschen in den Himmel gekommen, wenn sie starben? Wie kommen die Toten in den Himmel? – Kinder stellen gerne Fragen. Oft auch unangenehme existenzielle Fragen, bei denen die Souveränität der Erwachsenen wankt. Vorstellungen von Gott, dem Tod und über das Weiterleben im Himmel sind nicht angeboren, sie entwickeln sich erst allmählich. Forschungen zur religiösen Entwicklung vom Schweizer Psychologen Fritz Oser zeigen, dass für Kleinkinder Gott eine allmächtige Instanz ist, die Regeln überwacht, und wenn Menschen „nicht gehorchen, dann straft der liebe Gott sie einfach“ (Mädchen, sieben Jahre). Später wird das Letztgültige beeinflussbar: „Ich bete einfach zu Gott, ich danke ihm und sage, dass mir nichts passieren soll während der Nacht“ (Mädchen, neun Jahre). Im Jugendalter erfolgt oft der Schritt zur Selbstverantwortung und es wird dann „lächerlich, alles, was nicht klappt auf dieser Welt, Gott zuzuschreiben. Die Menschen müssen ihr Schicksal selber in die Hand nehmen“ (Jugendlicher, 16 Jahre). Bis in etwa zum fünften Lebensjahr ist der Tod für Kinder etwas, das nur anderen zustoßen kann. Mit der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit beginnt die Furcht vor dem Tod. Zwar leben Kinder zumeist im Vertrauen auf die eigene Unsterblichkeit, aber es ist ein Vertrauen, das in den späteren Jahren häufig abnimmt. Mit rund 13 Jahren wird der Gedanke an das eigene ewige Leben schwächer und die Angst vor dem eigenen Tod stärker. Viele Fragen Bevor es soweit ist, gibt es unterschiedliche Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Geprägt werden sie vom sozialen, kulturellen und religiösen Umfeld und oft mit Rückgriff auf Kinderfilme oder -bücher zum Thema. Eines davon trägt den Titel „Mama, wie groß ist der Himmel?“ von Imke Sönnichsen und Elizabeth Liddle. Es wurde vergangenes Jahr bei einer Bilderbuchkinovorstellung in Gänserndorf in Niederösterreich Kindern im Vorschul- und Volksschulalter präsentiert. Beim Bilderbuchkino werden die Bilder des Bilderbuchs an eine Wand projiziert und dazu der Text vorgelesen. Untermalt wird das Ganze mit Musik. Pip, der Held in diesem Buch, stellt seiner Mutter allerlei Fragen über den Himmel, wartet aber selten Antworten ab, sondern beantwortet sie am liebsten selber. Kurzum, Pip ist, wie fast jedes Kind, auf der Suche nach Erklärungen, die ihm Sicherheit in der Welt geben. Ähnlich wie Pip glauben die Besucher des Bilderbuchkinos, dass die Seele in den Himmel kommt. Über den himmlischen Alltag war sich das junge Publikum aber nicht einig: Die Vorstellungen reichen von „Da schläft man nur“, über „Nein, da liegt man tot im Himmel“ bis hin zu „Da tut man herumfliegen“. Ein theologischer Streit unter den kleinen Besuchern entzündete sich auch bei der Frage, ob Gott nur im Himmel wohnt oder auch einmal auf der Erde gelebt hat. Gute Kinderbücher erwecken die Phantasie und ermuntern den Geist, über etwas nachzudenken. Auswahlkriterien für religiöse Kinderliteratur sind für die Montessori-Pädagogin Magdalena Brückner neben einer altersgerechten Sprache, „dass die Kinder in ihrer Glaubensfindung nicht eingeschränkt werden, sondern lediglich einen Anstoß erhalten, selbst nachzuspüren und nachzudenken.“ Für Eltern gilt: Existenzielle Fragen der Kinder authentisch beantworten – es bringt nichts, etwas zu erzählen, woran man selbst nicht glaubt. Buchtipp Elizabeth Liddle: MAMA, WIE GROSS IST DER HIMMEL? Gabriel Verlag / Thienemann, 52 Seiten, € 15,40, SFR 27,50
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©
Reinhard Krenn aus: Michaelskalender 2011
Seite 044
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