Stadt Gottes Juli 2010
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Leistungsgesellschaft
Liebe Leserinnen und Leser Gönnt Kindern die Ferien! Die Schulzeit war nicht mein schönster Lebensabschnitt. Strenger Frontalunterricht, Pauken und Prügel haben's mir ziemlich vermiest. Ich erinnere mich an Schläge mit dem Lineal auf die Fingerkuppen (und anschliessend bekamst du in "Schönschrift" eine Sechs), an "Geige stimmen" (dazu wurden die Haare aufgezwirbelt), an schwere Bücher, die vom Lehrer torpedogleich nach ihm missliebigen Schülern geschleudert wurden. Und ich erinnerer mich an den schmächligen Ferdinand im ersten Schuljahr, der das Pech hatte, Sohn der Klassenlehrerin zu sein. Der stand nicht nur jeden zweiten Tag in der Ecke. Einmal hat seine Mutter auf seinem Rücken den anderthalb Meter langen Zeigestab zu Kleinholz geschlagen, dass uns die Splitter um die Ohren flogen. Aber die Sommerferien, die habe ich geliebt! Ich weiss, das klingt jetzt nach "Hurra, die Schule brennt". Aber das meine ich nicht. Sondern: In den Ferien war Schluss mit Schule. Sechs Wochen den Sommer geniessen, unbeschwert und unbekümmert von drohenden Noten und Zeugnissen. Das hat sich geändert. Viele Kinder müssen in den Ferien büffeln, um das einzig wichtige Ziel zu erreichen: den Übertritt aufs Gymnasium. Und das hat nichts mit blindem Ehrgeiz der Eltern zu tun, sondern damit, dass unsere Bildungspolitiker die Hauptschule zur "Restschule" haben verkommen lassen, dass immer noch an Alternativen gebastelt wird und deshalb eine Haupt- oder Realschülerin (anders als zu meiner Schulzeit) noch nicht einmal mehr Arzthelferin werden kann. Mit unsrem Titelthema (Seite 8) plädieren wir für weniger Stress in den Schulen. Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie, Ihren Kindern und Enkeln einen fröhlichen Sommer. Herzlich Ihr Albert Herchenbach
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