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19. Nov 2025
In seinem Beitrag im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe sprach P. Franz Helm SVD über die Bedeutung des Dialogs in einer gespaltenen Welt.
„Der Dialog ist in der heutigen Zeit aufgrund der zunehmenden Polarisierung in der Weltpolitik, angesichts von militärischen Konfrontationen, der Klimakrise, dem Schüren von Fremdenfeindlichkeit und der Spaltung in der Gesellschaft bitter nötig“, sagte der Steyler Missionar P. Franz Helm SVD am 18. November 2025 bei seinem Vortrag zum Thema „Dialog ein göttliches Prinzip“ im Missionshaus St. Gabriel. „Entweder wir lernen einen Dialog zu führen oder wir verspielen die Zukunft“, konstatierte der Koordinator der Euro-Zone der „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“. Der Dialog sei wichtig, weil es zur Bewältigung der multiplen Krisen alle Kräfte brauche, betonte Pater Helm.
„In der Weltpolitik erleben wir gerade eine Unfähigkeit zum Dialog. Handelsverträge werden einseitig aufgekündigt, Zölle in exorbitanter Höhe angedroht und Hilfsgelder gestrichen“, führte Pater Helm aus. Bitter nötig sei der Dialog auch um militärische Konflikte zu beenden oder zu vermeiden. „Wo Menschen den Dialog pflegen, besteht die Hoffnung, dass erst gar keine Kriege ausbrechen.“
Auch in der Klimakrise scheinen Lösungen blockiert. Zwischen Klima-Aktivist:innen und Entscheidungsträger: innen sei es zu keinem fruchtbaren Dialog gekommen. Bei der Zuwanderung von notwendigen Arbeitskräften mache sich in Österreich das ausländerfeindliche Klima und die mangelnde Dialogfähigkeit bemerkbar. Auch um die Gräben in der Gesellschaft, die nach der Coronapandemie entstanden sind, zu überwinden, sei nach Ansicht Pater Helms das Erlernen und Pflegen einer Kultur des Dialogs notwendig.
Um den Dialog zu erlernen, seien verschiedene Haltungen notwendig: Helm nannte etwa das Eingestehen eigener Schwächen, das Fördern von Gerechtigkeit, achtsames Zuhören und Platz für Kreativität. Wichtig sei es auch, dem Gegenüber Interesse, Achtung, Wertschätzung und Respekt entgegenzubringen.
Im Dialog seien die Menschen unterwegs zu einem „Guten Leben für alle“. Der Dialog sei „katholisch“ – in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Das heißt, er beziehe möglichst alle mit ein. Der Dialog widerstehe auch der autoritären Versuchung: „Gerade in Zeiten des Übergangs und der Verunsicherung braucht es das Hinhören auf alle, vor allem auf die Minderheiten und Randgruppen sowie auf Benachteiligte.“
Der Dialog müsse Relevanz für das konkrete Leben haben und auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein, erklärte Franz Helm. Er wünsche sich, dass Familien, (Ordens-)gemeinschaften und Pfarrgemeinden zu „Zukunftslaboratorien“ für ein geglücktes Leben werden, in denen man einander helfe, einen alternativen Lebensstil zu entwickeln, sagte der Steyler Missionar.
Der Dialog sei auch ein wichtiges Element des synodalen Prozesses. Für sich allein sei er aber nicht genug, neben dem Zuhören und dem Dialog brauche es am Ende des Tages auch Entscheidungen.
Als Missionswissenschaftler beschäftigte sich der Steyler Missionar auch mit der Frage des Dialogs in der Geschichte der Mission. Vom Kolonialismus zum Dialog auf Augenhöhe sei es ein „weiter Weg“. Kulturelle Verschiedenheit werde noch immer nicht überall respektiert, es stehe „noch viel Bekehrung an“, so Helm. Als Beispiel nannte er einen Vorfall bei der Amazonien-Synode: Die Figuren einer schwangeren indigenen Frau, die für Indigene im Amazonasgebiet die Mutter Gottes, also Maria dargestellt haben, wurden von katholischen Traditionalisten einseitig als Pachamama-Figuren verteufelt und im Tiber entsorgt. Der Dialog, so Helm, sei der Schöpfung vom dreifaltigen Gott als Grundprinzip in die Wiege gelegt worden. „Unsere Mission – unser Auftrag – ist der Dialog. Das gilt nicht nur für uns Steyler Missionare und für die Steyler Missionsschwestern, sondern für alle Christen“, unterstrich Helm.
Fotos: Mauritz