AT
27. Nov 2025
Der Missionstag im Rahmen der Ordenstagungen 2025 beschäftigte sich mit Mission in Österreich angesichts einer Zeitenwende in Glaubensfragen.

„Wir erleben in Glaubensfragen derzeit einen historischen Umbruchsprozess, eine Zeitenwende, oder um mit den Worten von Papst Franziskus zu sprechen, einen ‚Epochenwandel‘“: Dies betonte Regina Polak, Universitätsprofessorin für Praktische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in ihrem Vortrag beim Missionstag der Ordenstagungen 2025 am 26. November. Vor diesem Hintergrund brauche es eine Mission, die sich dem Gegenüber zuwendet, zuhört und gemeinsam nach Wegen sucht, wie der Glaube in einer Zeit des Umbruchs Orientierung geben kann, erklärte Polak. Christliche Mission könne nur im Dialog stattfinden – als offenes, respektvolles und glaubwürdiges Zeugnis in Worten und im konkreten Handeln. Mission und Dialog seien untrennbar miteinander verbunden.
Eine große Zahl von Verantwortlichen und Mitarbeitenden verschiedener missionierender Ordensgemeinschaften nahm am Missionstag im Kardinal König-Haus in Wien teil, um sich zum Thema „Glaubenswege – Gemeinsam Antworten auf veränderte Realitäten suchen“ auszutauschen. Unter den Teilnehmer:innen waren auch zahlreiche Steyler Missionsschwestern und Missionare sowie Mitarbeiterinnen der Steyler. Moderiert wurde der Missionstag von Sr. Anneliese Herzig MSsR, der Bereichsleiterin „Mission und Soziales“ der Ordenskonferenz.

Im Zentrum des Vortrags von Regina Polak stand die Präsentation von ausgewählten Ergebnissen der Studie „Was glaubt Österreich?“. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem ORF von 19. April bis 14. Mai 2024 erstellt. Insgesamt wurden im Rahmen der quantitativen, repräsentativen Studie 2.160 Personen zwischen 14 und 75 Jahren mit Wohnsitz in Österreich befragt; zusätzlich gab es ein Oversample der 14 – 25-Jährigen. Das Ziel war die Erforschung der Glaubens-, Sinn- und Wertevorstellungen bei Menschen, die in Österreich leben.
Die Ergebnisse der Studie zeigen: Der Glaube an Gott hat einen Tiefpunkt erreicht. Während in den 1990er Jahren noch 2/3 der Befragten angaben an Gott zu glauben, sind es jetzt gerade einmal 22 Prozent. Deutlich verbreiteter ist nach den Worten Polaks der Glaube an ein vorherbestimmtes Schicksal oder an das „Universum“. Interessant sei, dass Spiritualität nicht an die Stelle von Religiosität getreten sei. Die Befragten unterschieden genau zwischen den beiden Begriffen. Frauen bezeichneten sich signifikant häufiger als „spirituell“ als Männer.
Insgesamt würden Transzendenzvorstellungen nach den Angaben Polaks „liquider“.
Christliche Gottesvorstellungen seien laut der Studie ein „Minderheitenprogramm“. Weniger als 15 Prozent der Befragten glauben an einen personalen Gott, zu dem man „du“ sagen kann. Daraus ergebe sich für die Kirche die Aufgabe, das christliche Gottesverständnis in Wort und Tat zu übersetzen. Der christliche Glaube sei von einer massiven Erosion betroffen, auch unter Christ:innen. Hier brauche es Räume und spirituelle Zentren, in denen Menschen bei ihren religiösen Fragen und mit ihren eigenen Lebenserfahrungen kompetent begleitet werden, forderte Poalk. Nötig dafür seien neue katechetische Modelle, vor allem aber glaubwürdiges, reflektiertes und gut ausgebildetes Personal.

Die Studie beschäftigte sich auch mit der Frage nach der Bedeutung von Religion in der Gesellschaft. Österreich ist immer noch religionsfreundliches Land, aber ein großer Teil der Bevölkerung steht Religion und Religionsgemeinschaften, auch der Kirche, kritisch oder auch indifferent gegenüber. Die Kirche muss sich dieses Kontexts bewusst sein und ihre Sendung im Kontext einer säkularen, religiös pluralen und religionskritischen Gesellschaft neu „durchbuchstabieren“, d.h. in Wort und Tat die Perspektive der „je Anderen“ und mögliche Rezeptionen mitbedenken. Ein Plus mit dem Religionsgemeinschaften punkten können, sei das Thema Gemeinschaft. Die ehrenamtliche Mitarbeit in religiösen oder kirchlichen Organisationen steht nach Sport- und Freizeitvereinen an zweiter Stelle.
In Bezug auf junge Menschen zeigte die Studie, dass Jugendliche heute vermehrt auf der Suche nach Sinn, Orientierung und Halt und auch wieder offen für Religion sind. Im Vergleich zur Gesamtstichprobe denken sie häufiger über Gott nach und bezeichnen Gott als wichtig für ihr Leben. Die Kirche trage, so Polak, eine besondere Verantwortung, diese Suche ernst zu nehmen und Angebote zu entwickeln, die die Lebenswirklichkeit junger Menschen, aktiv einbeziehen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen persönlicher Berichte von Ordensleuten, die definierten, was missionarisches Wirken für sie bedeutet. Da sie zum Teil aus unterschiedlichen Kulturen stammten, bekamen die Teilnehmenden auch Einblicke in ihr Ankommen in einem neuen Land.
Der Steyler Missionar P. Nixon Jose Kappalumakkal SVD aus Indien schilderte, wie er seinen Glaubensweg in der Großstadt erlebt. Pater Nixon ist Kaplan in der von den Steyler Missionaren geleiteten Pfarre „Zum Göttlichen Wort“ in Wien-Favoriten. Anhand von drei Beispielen schilderte er, wie er sein missionarisches Charisma lebt.
Unter dem Titel „Abschied in der Stille“ berichtete Pater Nixon von seinen priesterlichen Diensten bei Sozialbegräbnissen in den frühen Morgenstunden am Wiener Zentralfriedhof, bei denen außer ihm meist niemand anwesend sei. „Am Beginn war es für mich schwierig auszuhalten, dass bei diesen Begräbnissen keine Familienangehörigen und Freunde anwesend sind, dass es keine Blumen, kein großes Ritual gibt – nur der Verstorbene, Gott und ich“, sagte Pater Nixon. „Ich fragte mich, wie kann ein Leben so enden.“ In seiner Heimat Indien sei es unvorstellbar, dass bei einer Beerdigung keine Trauergemeinde Abschied von dem Verstorbenen nimmt. „Mit der Zeit erkannte ich jedoch die tiefe Wahrheit – Gott kennt jeden Namen, er nimmt jeden Menschen auf. Heute gehe ich zu diesen Begräbnissen mit Freude und in der tiefen Überzeugung: Gott lässt niemanden allein!“, betonte der Steyler Missionar.
Andere Zugänge seiner pastoralen Arbeit seien Bewegung und Begegnung. Wöchentlich spielt Pater Nixon mit einer bunt gemischten Gruppe Basketball und Badminton. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein ergäben sich oft Gespräche, die mitunter auch skeptische Haltungen gegenüber der Kirche aufweichen. Beim gemeinsamen Sport entstünden so Vertrauen und Gesprächsbereitschaft.
Neben analogen Begegnungen setzt P. Nixon Kappalamukkal SVD bewusst auf digitale Medien. In sozialen Netzwerken, versucht er, pastorale Impulse zu setzen und dadurch Hoffnung und Verbundenheit auch online erfahrbar zu machen. Als Beispiele zeigte Pater Nixon Videos, in denen Menschen Statements zu den Themen „Licht im Dunkel“ und „Was bewegt mich“ abgaben und die im Advent bzw. in der Fastenzeit veröffentlicht wurden. „Glaube lebt dort, wo Menschen sich verbinden. Niemand bleibt allein!“, unterstrich Pater Nixon.


Zu Wort kamen auch P. Johannes Haas SDB von den Salesianern Don Boscos und Sr. Mary Naigaga von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul.
P. Haas erklärte, dass Mission für ihn vor allem bedeute, durch Präsenz wirksam zu werden und für andere dazu sein. Er setze dies bei der Festivalseelsorge ebenso um wie bei verschiedenen niederschwelligen Salesianer-Projekten, etwa „Giovannis Wohnzimmer“, „Pasta & Bosco“ oder die LernBar.
Sr. Mary Naigaga stammt aus Uganda und lebt seit vier Jahren in Wien, wo sie im Hort der Barmherzigen Schwestern in Gumpendorf tätig ist. „Mission bedeutet für mich, nicht mit lauter Stimme zu predigen, sondern mit einem offenen Herzen zu leben“, sagte die Ordensfrau. Die religiöse Vielfalt in Österreich erlebe sie als Herausforderung und zugleich als Einladung, den eigenen Glauben zu vertiefen. Als junge Ordensfrau möchte sie zeigen, dass das Evangelium lebendig und zeitgemäß ist.

Fotos: OÖK/Elisabeth Mayr-Wimmer, Ursula Mauritz