Starkes Netz an Solidarität für Geflüchtete

AT

17. Jan 2026

Der „steyl medien“-Film „Menschen auf der Flucht – Hoffnung und Hilfe“ wurde in Wien präsentiert.

Starkes Netz an Solidarität für Geflüchtete

Kritik an Abschottungspolitik, systematischen Menschenrechtsverletzungen und der prekären Lage von Geflüchteten in Bosnien-Herzegowina haben kirchliche Fachleute und Engagierte vom Wiener "Pfarrnetzwerk Asyl" geübt. Im Rahmen des Film- und Diskussionsabends "Menschen auf der Flucht - Hoffnung und Hilfe" am 15. Jänner 2026 in der Pfarre Alxingergasse machten sie auf die Situation von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen, die Rolle von Seenotrettungsorganisationen sowie die Herausforderungen der Integration in Österreich aufmerksam. Auch der geplante erste Friedhof für Geflüchtete in Loznica auf der serbischen Seite der Grenze, der am 27. Jänner 2026 im Beisein des Steyler Missionars und Erzbischofs von Belgrad, Kardinal Laszlo Nemet SVD, eingeweiht werden soll, kam dabei zur Sprache.

Podiumsdiskussion mit Roswitha Feige, Petar Rosandic, Br. Emanuel Huemer SVD und Anton Deutschmann, moderiert von Katharina Renner
Podiumsdiskussion mit Roswitha Feige, Petar Rosandic, Br. Emanuel Huemer SVD und Anton Deutschmann, moderiert von Katharina Renner

SOS Balkanroute hilft in Bosnien-Herzegowina

Gezeigt wurde der Dokumentarfilm "Menschen auf der Flucht - Hoffnung und Hilfe" von „steyl medien“. Der Film begleitet Fluchtrouten in Mittelamerika und am Balkan und beleuchtet kirchliches und zivilgesellschaftliches Engagement. In Mexiko bieten die Steyler Missionare und Missionsschwestern in der Casa Betania Santa Martha Migrantinnen und Migranten Schutz und Versorgung, in Südosteuropa unterstützt die Organisation SOS Balkanroute Schutzsuchende entlang der Balkanroute.
Petar Rosandic, Mitgründer von SOS Balkanroute, verwies auf konkrete Erfolge zivilgesellschaftlicher Recherchen, darunter die Verhinderung eines geplanten Haftzentrums im bosnischen Flüchtlingscamp Lipa, das auch mit österreichischen Mitteln finanziert werden sollte. Wichtig sei bis heute die konkrete Hilfe vor Ort: "Wir schauen nicht nur hin, wo Geflüchtete in Not sind, sondern wir schauen, was ist die konkrete Situation vor Ort in der Stadt, was sind die Probleme der Einheimischen." So wurden zum Beispiel ein Rettungswagen, Feuerwehrmaterial und ein Müllwagen der MA 48 aus Österreich nach Bosnien-Herzegowina gebracht. „Wir wollen verhindern, dass die Armut gegeneinander ausgespielt wird.“ 

USA und EU: Parallelen in der Abschottungspolitik

Der Steyler Missionar Emanuel Huemer SVD kennt sowohl die Situation in Mexiko als auch auf dem Balkan aus eigener Anschauung und sieht Parallelen in der Abschottungspolitik der USA und der EU. Er berichtete von Menschenrechtsverletzungen und faktisch "rechtsfreien Räumen" in Mexiko genauso wie an den EU-Außengrenzen, in denen Schutzsuchende Gewalt, Pushbacks und Entrechtung ausgesetzt seien. Die EU finanziere die Lybische Küstenwache, damit Flüchtlinge nichts übers Meer kommen.
An der von Katharina Renner geleiteten Podiumsdiskussion nahm auch Roswitha Feige vom ökumenischen Pfarrnetzwerk Asyl teil, das seit 15 Jahren besteht. Die 16 darin zusammengeschlossenen Pfarren begleiten Geflüchtete und engagieren sich in der Bewusstseinsbildung. So veranstaltet das Pfarrnetzwerk Asyl etwa ein interreligiöses Totengedenken für Verstorbene an den EU-Außengrenzen. Ein neues Projekt ist ein Theater der Unterdrückten, das versucht die Schicksale von Flüchtlingen an den Grenzen greifbar zu machen.

Für den Film "Menschen auf der Flucht" begleitete ein Kamerateam Br. Emanuel Huemer SVD (links) bei einem Einsatz von SOS Balkanroute an der EU-Außengrenze. Anton Deutschmann ist Produzent der Dokumentation und Geschäftsführer von "steyl medien".
Für den Film "Menschen auf der Flucht" begleitete ein Kamerateam Br. Emanuel Huemer SVD (links) bei einem Einsatz von SOS Balkanroute an der EU-Außengrenze. Anton Deutschmann ist Produzent der Dokumentation und Geschäftsführer von "steyl medien".

„Wir können Engel für Geflüchtete sein!“

Der Produzent und Geschäftsführer von „steyl medien“, Anton Deutschmann, hob die Vorteile kirchlicher Strukturen im Engagement für Geflüchtete hervor: "Orden haben immer den Vorteil, dass sie relativ kurze Wege haben in der Bürokratie und den Hilfsmöglichkeiten und fast alle auch irgendwie weltweit unterwegs sind." Die Ordensgemeinschaften hätten dadurch "einen direkten Draht zu Menschen, die wirklich vor Ort sind und wissen, was da wirklich passiert". „steyl medien“ sei es wichtig gewesen im Film „Menschen auf der Flucht“ das Thema Migration „nicht mit Zahlen darzustellen, sondern mit Gesichtern“.
Auf die Frage, wie man als Helferin oder Helfer die dramatische Situation und die Schicksale der geflüchteten Menschen aushalte, betonten Pero Rosandic, Roswitha Feige und Br. Emanuel Huemer, dass es wichtig sei, gemeinsam gegen das Unrecht aufzustehen, sich gegenseitig zu stärken und aktiv zu werden. „Es ist schön zu sehen, dass bei der Sortierung von Sachspenden Ordensfrauen neben Menschen, die sich dem Kommunismus verpflichtet fühlen, tätig sind“, so Rosandic. Es helfe auch, sich immer wieder gelungene Fälle von Hilfeleistung in Erinnerung zu rufen. „Wir können Engel für Geflüchtete sein – jede kleinste Geste ist willkommen“, erklärte Roswitha Feige. Alle Diskussionsteilnehmer stimmten überein, dass es notwendig sei, ein starkes Netz an Solidarität zu knüpfen. 

Fotos: Ursula Mauritz

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