20. Mär 2026
Dass mitten im Alltag spirituelle Erfahrungen möglich sind, davon erzählte die geistliche Begleiterin und Autorin Petra Unterberger bei ihrem Vortrag in St. Gabriel.

Ausgehend von Alltagserfahrungen wie dem Stricken von Socken oder von Erinnerungen an den Kaffeefilter ihrer Großmutter brachte Petra Unterberger den Zuhörenden tiefgründige Lebensweisheiten und prägende Glaubenserfahrungen nahe. Petra Unterberger war im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe 17. März 2026 zu Gast bei den Steyler Missionaren.
Wenn sich beim Stricken in der Wolle ein wirrer Knotenentwickelt, kann das Ärger auslösen, und es ist nicht mehr weit zum Wegschneiden des lästigen Problems. Aber, so die erfahrene Seelsorgerin aus der Diözese Innsbruck, das kann zu einem großen Verlust an Wolle führen, und das Ergebnis leidet unter dem, was fehlt. So auch in Beziehungen: Einfach Schluss machen und einen harten Schnitt vollziehen führt zu Verlust und tut oft nicht gut. Wer Mühe und Geduld aufbringt zum Knotenlösen und vielleicht auch seine Sichtweise weiter, wird belohnt.
Die Erinnerung an das sorgsame Zubereiten des Kaffees, das sie bei ihrer Großmutter erlebte, wurde für Unterberger zum Symbol für das Pflegen der Beziehung zu Gott. Als Erstes spülte ihre Großmutter den Kaffeefilter immer mit klarem heißem Wasser aus, damit der Geschmack des Kaffees nicht beeinträchtigt wurde. Zum Aufgießen wurde dann kein kochendes Wasser verwendet, damit der Kaffee das volle Aroma entfaltet. Und eine Prise Salz gehörte auch noch dazu. So viel Achtsamkeit und Akribie für einen guten Kaffee! Übertragen auf unser Gebet und unsere Gottesbeziehung: Lassen wir Störendes weg? Sorgen wir uns um die richtige Haltung, um das gewisse „Etwas“, damit Gottes heilige Geistkraft ihre Wirkung in uns ganz entfalten kann?

Besonders fasziniert waren die Zuhörenden von einer Puppe aus Indien, die Petra Unterberger in drei Persönlichkeiten verwandeln konnte: Das unschuldige Mädchen, die weise Großmutter und den bösen Wolf. Gelingt es mir, auch den Wolf anzunehmen und mit ihm Frieden zu schließen, so wie es der Hl. Franziskus in Gubbio tat, fragte Petra Unterberger. Oder bekämpfe ich ihn, und er wird immer mächtiger und schließlich frisst er die Großmutter und das Rotkäppchen? Unschuld und Weisheit tun gut daran, sich zu versöhnen mit den scheinbar negativen Anteilen in uns.

Petra Unterberger las auch lyrische Texte aus ihrem Buch „Eine Handvoll Licht“, das im Tyrolia Verlag erschienen ist und für die 52 Wochen des Jahres ebenso viele spirituelle Impulse bietet, mit Geschichten, Gedichten, Bildern, lyrischen Texten und Übungen. Der bewegende Abend motivierte viele dazu, das Buch zu erwerben und von der Vortragenden signieren zu lassen. So konnten sie einen Wegbegleiter für ein geistliches Leben im Jahreslauf mitnehmen.
Die nächste Veranstaltung in der diesjährigen St. Gabrieler Vortragsreihe „Zukunft braucht Dialog“ findet am Dienstag, dem 21. April um 19:30 in der Krypta des Missionshauses statt. Teresa Voboril vom Welthaus Wien spricht zum Thema: „Klimadialog. Wie die Katholische Aktion Menschen vom Reden zum Tun bringt“.

Fotos: Franz Helm SVD