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29. Jan 2026
Die Linzer Pastoraltheologin Klara Csiszar berichtete bei einem Vortrag in St. Gabriel über ihre Erfahrungen als Teilnehmerin an der Weltbischofssynode.
Einen persönlichen Blick zurück auf die Weltbischofssynode im Jahr 2024 warf die Linzer Pastoraltheologin Klara Antonia Csiszar bei einem Vortrag zum Thema „Synodalität als Friedensprojekt?“ im Missionshaus St. Gabriel. Viele wertvolle und zukunftsfähige Entwicklungen hätten in den letzten Jahren stattgefunden, ein Lernprozess sei in Gang gekommen. „Es entstand immer mehr eine Kultur der Ehrlichkeit, des Miteinanders und des Füreinanders anstelle des Auseinanders – eine Botschaft, die gerade für das heutige Europa von großer Bedeutung ist“, erklärte Csiszar, die als theologische Expertin an den beiden Sitzungsperioden der Weltbischofssynode 2023 und 2024 teilgenommen hatte. In ihrem Vortrag im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe „Zukunft braucht Dialog“ gab sie interessante Einblicke in den Synodenalltag aus der Sicht einer „teilnehmenden Beobachterin“.
Anhand von zwei Fotos illustrierte die Theologin den fundamentalen Wandel, der zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Synodenversammlung 2024 stattgefunden hat: Während auf dem Foto vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausschließlich Bischöfe streng aufgereiht, Bankreihe hinter Bankreihe, mit Blick nach vorne zu sehen waren, zeigte das Abschlussfoto der Synodenversammlung eine offene Runde – im Mittelpunkt Papst Franziskus, umgeben von Frauen und Männern, von Vertreter:innen des Volkes Gottes, Laien, Ordensleuten, Kardinälen, Priestern, jungen wie alten Menschen verschiedenster Herkunft und Kultur. „Diese Bilder zeigen den Übergang von einer Kirche als hierarchischer Institution zur Kirche als synodalen Gemeinschaft des Volkes Gottes. Was einst undenkbar war, ist zur gelebten Realität geworden“, sagte Csiszar.

Während der Sitzungen sei die Vielfalt der Getauften, der Charismen und Ämter sichtbar geworden. Die geweihten Amtsträger traten als Persönlichkeiten hinter Titeln wie Bischof, Patriarch, Kardinal oder Priester hervor. Traditionelle Strukturen und Hierarchien hingegen traten zugunsten persönlicher Begegnung und solidarischen Austauschs zurück, erinnerte sich die Pastoraltheologin. Selbst theologische Differenzen standen einer gemeinsamen Begegnung auf Augenhöhe nicht im Wege, erzählte Klara Csiszar. Als Beispiel nannte sie die Differenzen zwischen Vertretern aus Ungarn und Vertretern von, z.B. beim Thema LGBTQIA+ , als „liberal“ wahrgenommenen Positionen.
Während zu Beginn der Synode viele Teilnehmer:innen das Ziel hatten, ihre Agenden „durchzuboxen“, änderte sich dies laut Csiszar bereits während der ersten Sitzungsperiode. Es gelang vom „Ich“ zum „Wir“ zu kommen und zu erkennen, was die Teilnehmer:innen über alle Grenzen hinweg verbindet. „Es wurde nicht über-, sondern miteinander gesprochen - der beste Weg um Brücken zu bauen.“ – „Das hat Friedenspotential!“, ist Klara Csiszar überzeugt.

Ein besonders eindrückliches Praxisfeld bei der Synode sei die „Frauenfrage“ gewesen. „Wir spürten den Willen, den Stimmen von Ordensfrauen und Frauen weltweit zuzuhören.“ Die Frauen hätten ihre Berufung zum kirchlichen Dienst – „zum Teil auch zum Priestertum“ deutlich gemacht und darauf hingewiesen, dass Frauen keine Weihe empfangen können, kaum sichtbar sind und keine Möglichkeit haben, sich in kirchliche Entscheidungsprozesse einzubringen.
Die Tatsache, dass die Studiengruppe 5 zu Frauenfragen und Frauendiakonat, sich vor interessierten Synodenteilnehmer:innen nicht adäquat und mit hochrangigen Vertretern präsentierte, habe viel Kritik und Verärgerung hervorgerufen, führte Csiszar bei ihrem Vortrag aus. Bemerkenswert sei gewesen, dass der Widerstand in erster Linie von Männern – Kardinälen, Bischöfen und Ordensmännern – kam. Die Reaktionen führten dazu, dass der zuständige Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Manuel Fernández, sich persönlich an die Synodenteilnehmer: innen wandte, sich mit den Worten „I have learned“ entschuldigte und zur Diskussion über die Arbeit der Gruppe 5 einlud, bei der er selbst Rede und Antwort stehen wollte.
Csiszar unterstrich, dass eine direkte Abstimmung über eine Diakonenweihe für Frauen in der Synode kirchenpolitisch kaum durchsetzbar gewesen wäre und das Thema für Jahre blockiert hätte. Die Frage bewusst offen zu halten, sei eine „kluge Entscheidung“ gewesen, meinte die Linzer Pastoraltheologin.
Bei der Synode seien die Herausforderungen einer instabilen, „taumelnden“ Welt vor allem von Delegierten aus Asien, Afrika und Südamerika sowie aus Ozeanien und dem Mittleren Osten zur Sprache gebracht worden. Eine missionarische Kirche müsse sich angesichts dieser existentiellen Wunden fragen: „Wo tut das Leben weh, wo müssen wir hin?“
Während die kirchlichen Debatten in Europa häufig um interne Themen kreisten, präsentierten Delegierte aus benachteiligten Regionen Themen wie Armut, Migration, Klimakrise, Krieg und Terror, aber paradoxerweise auch Harmonie, Dankbarkeit, Glaube, Familie, Hoffnung, Solidarität usw., erklärte Klara Csiszar.

Für sie persönlich glich der Synodenalltag einer „Achterbahnfahrt der Gefühle“, bekannte Csiszar. In der letzten Woche der zweiten Sitzungsperiode sei die Spannung besonders spürbar gewesen, vor allem im Hinblick darauf, wie das Abschlussdokument ausfallen würde. Nach dem Lesen des ersten Entwurfs fühlte sie sich „enttäuscht“, gab die Pastoraltheologin zu. Die größte Enttäuschung sei für sie die „Unverbindlichkeit“ des Dokuments gewesen. Erst der Moment, als Papst Franziskus verkündete, dass das Schlussdokument Teil des Lehramtes sei, änderte für Klara Csiszar ihre Einstellung. „Papst Franziskus hat die Ergebnisse dieses weltweiten Beteiligungsprozesses in das ordentliche Lehramt der Kirche aufgenommen. Damit positionierte er sich bewusst ‚in, mit und für‘ das Volk Gottes und nicht über ihm“, schloss die Synodenteilnehmerin.
Fotos: Franz Helm SVD
Zur Person
Klara Antonia Csiszar wurde in Rumänien geboren und studierte Theologie, Germanistik und Pastoralpsychologie. 2009 promovierte sie in Kirchengeschichte, 2015 habilitierte sie in Pastoraltheologie bei Paul Michael Zulehner an der Universität Wien.
Seit 2019 ist Klara Csiszar Professorin für Pastoraltheologie an der Katholischen Privat-Universität Linz, seit Herbst 2023 ist sie auch Dekanin der Fakultät für Theologie sowie
Vizerektorin für Forschung und Lehre. Csiszar war und ist in zahlreichen internationalen Gremien vertreten.
Von Papst Franziskus wurde Klara Csiszar 2023 zur theologischen Expertin der Weltbischofssynode ernannt. An der Katholischen Privat-Universität Linz widmet sie sich einem Forschungsschwerpunkt zur Synodalität. In einer Arbeitsgruppe, die sich damit beschäftigt, wie die Synode in der Pastoral praktisch umgesetzt werden kann, arbeiten auch die Steyler Missionare Kardinal Ladislav Nemet SVD und P. Franz Helm SVD mit. Den Steyler Missionaren fühlt sich Klara Csiszar seit vielen Jahren verbunden. Der Kontakt entstand, als sie während der Arbeit an ihrer Habilitationsschrift im Missionshaus St. Gabriel wohnte.