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26. Feb 2026
Nach der Rettung von 13 jungen Frauen in Flores verstärkt die Kirche in Indonesien ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Menschenhandels.
Die katholische Kirche in Flores, Ostindonesien, hat ihre Bemühungen zur Bekämpfung des Menschenhandels verstärkt, nachdem 13 junge Frauen gerettet wurden, die in einem Nachtclub im Regierungsbezirk Sikka ausgebeutet worden waren.
Die Frauen im Alter von 17 bis 26 Jahren, die ursprünglich aus Westjava stammen, suchten im Januar 2026 Schutz, nachdem sie Berichten zufolge körperliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung und schweren Missbrauch bei der Arbeit erlitten hatten. Sie erhalten nun Unterkunft und Unterstützung in einem Schutzhaus, das von „Tim Relawan untuk Kemanusiaan Flores (TRUK-F)“ betrieben wird, einem humanitären Netzwerk, das von den Steyler Missionaren (Gesellschaft des Göttlichen Wortes - SVD) und den Steyler Missionsschwestern (SSpS) unterstützt wird. In der Unterkunft werden die Frauen psychologisch und seelsorgerisch begleitet und erhalten gleichzeitig rechtliche Unterstützung.
Der Fall hat in der Provinz Ost-Nusa Tenggara große Besorgnis ausgelöst. Am 9. Februar organisierte das Sikka Human Rights Network, in dem TRUK-F eine zentrale Rolle spielt, eine friedliche Demonstration vor dem lokalen Legislativrat (DPRD) in Maumere. Priester, Ordensschwestern, Seminaristen und viele andere Menschenrechtsaktivisten forderten eine gründliche Untersuchung und entschlossene rechtliche Schritte wegen mutmaßlicher Missbrauchsvorfälle in einem Nachtclub.
Die Vertreter der Kirche betonten, dass ihre Aktion darauf abziele, einen umfassenderen Schutz für schutzbedürftige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewährleisten, um ähnliche Vorfälle zu verhindern. Sie forderten die Behörden auf, die Aufsicht in Nachtlokalen zu verstärken und die bestehenden Gesetze zur Bekämpfung des Menschenhandels wirksamer durchzusetzen.
Mittlerweile wurden der Besitzer des Nachtlokals und seine Ehefrau offiziell wegen Menschenhandels angeklagt. Die 13 jungen Frauen sind mit Unterstützung des Gouverneurs von West Java wieder zurück in ihre Heimat gebracht worden.
Die Steyler Missionsschwester Fransiska Imakulata SSpS, Direktorin von TRUK-F, erklärte, dass die Organisation seit 2000 Opfer von Menschenhandel unterstützt. Sie beschrieb den aktuellen Fall als Teil eines sich wiederholenden Musters. „Die gängigste Methode ist das Versprechen hoher Gehälter, kostenloser Unterkunft und angemessener Beschäftigung“, erklärte Schwester Imakulata. Junge Frauen würden oft damit angeworben, als Sängerinnen in Nachtlokalen zu arbeiten, während andere von Vermittlern mit dem Versprechen einer festen Anstellung außerhalb von Flores gelockt werden.
Die Steyler Missionarin betonte, dass Frauen und Kinder besonders gefährdet sind, insbesondere jene wenig Bildung und geringen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Aber auch Männer seien gefährdet, wenn sie aufgrund von Armut zur Arbeitssuche auswandern.
Indonesien hat 2007 ein Gesetz zur Bekämpfung des Menschenhandels sowie regionale Vorschriften zur Verhinderung von Menschenhandel und zum Schutz der Opfer erlassen. Schwester Imakulata stellte kritisierte jedoch, dass die Umsetzung der Gesetze nach wie vor uneinheitlich ist. „Die Opfer werden nicht immer mit Würde behandelt. Manchmal werden sie sogar stigmatisiert“, sagte sie und wies auf die begrenzte Verfügbarkeit von staatlichen Unterkünften hin.
Über die Bereitstellung sicherer Unterkünfte hinaus bietet die Organisation TRUK-F Rechtsbeistand, Traumaberatung, Rückführungshilfe, Bildungsunterstützung und Programme zur wirtschaftlichen Stärkung an. Das Netzwerk führt auch Sensibilisierungskampagnen und Workshops durch, um die Wachsamkeit der Gemeinschaft zu stärken und die Achtung der Rechte von Frauen und Kindern zu fördern. „In den Leidenden sehen wir das Antlitz Christi“, sagte Schwester Imakulata.
Für P. Otto Gusti Ndegong Madung SVD, seit 2018 Rektor der Hochschule der Steyler Missionare in Ledalero und Mitglied von TRUK-F, ist das Engagement der Kirche im Kampf gegen den Menschenhandel Teil ihrer pastoralen Identität. Pater Otto Gusti hat einen Teil seiner theologischen Ausbildung in St. Gabriel absolviert und anschließend in München ein Doktoratsstudium gemacht.
„Menschenhandel ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das uns in Flores nach wie vor betrifft“, sagte er. Viele Einheimische werden für die Arbeit auf Plantagen in anderen Regionen Indonesiens und im Ausland angeworben, während auch Menschen aus anderen Provinzen Opfer in Flores geworden sind.
„Als Kirche, die tief im Leben der Menschen verwurzelt ist, können wir nicht gleichgültig bleiben“, sagte Pater Madung. „Die Kirche ist dazu berufen, ein Zeichen und Werkzeug der befreienden Liebe Gottes zu sein und zum Aufbau einer Gesellschaft beizutragen, die die Menschenwürde und Gerechtigkeit achtet.“
Pater Gusti nannte strukturelle Faktoren, die zum Menschenhandel beitragen, darunter Armut, Korruption, schwache Strafverfolgung und begrenzte Möglichkeiten für soziale Veränderungen. Er bekräftigte, dass die vorrangige Option der Kirche für die Armen ein wesentlicher und nicht verhandelbarer Bestandteil ihrer Mission sei.
Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Notlage und der hohen Arbeitsmigration ermutigt die Kirche in Flores junge Menschen, sichere und legale Beschäftigungswege einzuschlagen. Katholische Einrichtungen, darunter das Ledalero-Institut, erweitern ihre akademischen Programme, um den Studierenden praktische Fähigkeiten zu vermitteln und ihnen ein stärkeres Bewusstsein für ihre Rechte zu vermitteln. Die Missionsprokur St. Gabriel International hat die Ausstattung eines neuen Studienzweiges der Hochschule aus Spendengeldern finanziert.
P. Kasmir Nema SVD
Quelle: Vatican News