Ausstellung „Fluchtgrund“ in St. Gabriel

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27. Apr 2026

Ausstellung in der Heilig-Geist-Kirche informiert über die Ursachen und Hintergründe von Flucht und Migration.

Ausstellung „Fluchtgrund“ in St. Gabriel

Was bringt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und ein besseres Leben zu suchen? Dieser Frage geht die Ausstellung „Fluchtgrund“ nach, die zurzeit in der Heilig-Geist-Kirche des Missionshauses St. Gabriel in Maria Enzersdorf zu sehen ist. Auf fünf Roll Up-Bannern wird thematisiert, welche Zusammenhänge es zwischen dem Leben in Industriestaaten und den daraus resultierenden Problemen in anderen Ländern gibt, die zum Verlassen der Heimat führen.

Die Ausstellung zeigt anhand ausgewählter Beispiele, wie wir mit unseren Gewohnheiten dazu beitragen, dass sich Menschen zur Flucht entschließen. So sichern sich z.B. Lebensmittelkonzerne mit Landgrabbing Landrechte und Trinkwasser in den Ländern des globalen Südens, um Pflanzen für Nahrungs- oder Futtermittel, sowie für Agrarkraftstoffe anzubauen. Die Ernte wird zum Großteil in die reichen Industriestaaten exportiert, um dort möglichst billig die Nahrungsmittel- und Energieversorgung zu sichern. Für die lokale Bevölkerung reduziert sich die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Andere Gründe für Flucht sind der Kampf um so genannte Konfliktrohstoffe, die z.B. für Mobiltelefone benötigt werden, die Auswirkungen des Klimawandels, Plastik in den Weltmeeren und Überfischung.
Schätzungen der weltweiten Flüchtlingszahlen gehen derzeit von 117 bis 124 Millionen Flüchtlingen aus. Die meisten Geflüchteten aus Afrika oder Asien treten jedoch nicht den Weg nach Europa an, sondern sind Flüchtlinge im eigenen Land oder in Nachbarländern.

St. Gabriel: Lange Tradition im Einsatz für Geflüchtete

Die Ausstellung „Fluchtgrund“ ist Teil einer Infokampagne der deutschen Organisation earthlink e.V. und wird in Österreich in Kooperation mit „ZusammenHalt NÖ“ gezeigt. „Wir haben uns entschlossen, die Ausstellung hier in St. Gabriel der Öffentlichkeit zu präsentieren, weil der Einsatz für geflüchtete Menschen für die Steyler Missionare und das Missionshaus St. Gabriel eine lange Tradition hat“, erklärt Br. Emanuel Huemer SVD. Die Steyler Missionare in St. Gabriel stellten 27 Jahre lang einen Teil ihres Hauses der Caritas als Flüchtlingsquartier zur Verfügung. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden in einem Trakt des Missionshauses Flüchtlinge des Bosnienkrieges untergebracht. „Damals rückten die Steyler Studenten zusammen, um Wohnraum für geflüchtete Menschen zu schaffen“, erzählt Bruder Emanuel. Später betreute die Caritas Flüchtlingshilfe hier vor allem psychisch oder physisch schwer kranke Personen sowie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

St. Gabriel steht für Solidarität mit Menschen auf der Flucht: Abschluss der Romaria, dem Solidaritätsweg für Geflüchtete, vor der Heilig-Geist-Kirche
St. Gabriel steht für Solidarität mit Menschen auf der Flucht: Abschluss der Romaria, dem Solidaritätsweg für Geflüchtete, vor der Heilig-Geist-Kirche

Romaria, Proteste, Kleiderausgabe, Spendensammlung

Einige Jahre lang war St. Gabriel Ziel und Schlusspunkt der „Romaria“. Dieser Solidaritätsweg für Geflüchtete wurde vom Steyler Missionar P. Franz Helm SVD initiiert, der diese besondere Form der Wallfahrten in Brasilien kennengelernt hatte.
Ab dem Advent 2018 versammelten sich wochenlang an jedem Sonntagabend Steyler Missionare, Missionsschwestern und Menschen aus der Zivilgesellschaft vor der Kirche des Missionshauses St. Gabriel, um unter dem Hashtag „#zusammenhaltNÖ“ ein Zeichen gegen soziale Kälte und Unmenschlichkeit zu setzen und sich für den Erhalt des Caritas Flüchtlingshauses einzusetzen, das vor der Schließung durch die niederösterreichische Landespolitik stand.

Protest gegen die Schließung des Flüchtlingshauses der Caritas in St. Gabriel: Der damalige Rektor P. Franz Helm SVD und der damalige Provinzial P. Stephan Dähler SVD halten das Transparent.
Protest gegen die Schließung des Flüchtlingshauses der Caritas in St. Gabriel: Der damalige Rektor P. Franz Helm SVD und der damalige Provinzial P. Stephan Dähler SVD halten das Transparent.

Auch jene 16 jugendlichen Flüchtlinge, deren Unterbringung in einem gefängnisartigen Flüchtlingsquartier in Drasenhofen von Menschenrechtsorganisationen, Caritas und Zivilgesellschaft scharf kritisiert wurde, fanden im Caritashaus St. Gabriel kurzfristig eine Unterkunft. Im April 2019 kam das endgültige Aus für das Flüchtlingsheim in St. Gabriel.
Das bedeutete jedoch nicht das Ende des Engagements in St. Gabriel für Geflüchtete: 2022 öffnete im Missionshaus die „Sukni-Box“, in der sich geflüchtete Menschen aus der Ukraine in der „Sukni-Box“ gratis mit Kleidungsstücken versorgen konnten.
Jüngstes Beispiel: Im Winter 2026 initiierte Br. Emanuel Huemer SVD in Zusammenarbeit mit „SOS Balkanroute“ eine Sammlung von warmer Kleidung und anderen Sachspenden für Flüchtlinge entlang der EU-Außengrenzen.

Info:
Die Ausstellung kann täglich von 8 bis 19 Uhr während der Öffnungszeiten der Heilig-Geist-Kirche (2344 Maria Enzersdorf, Gabrielerstraße 171) besucht werden.

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