„Die Angst ist nach wie vor groß“

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02. Sep 2026

Sr. Lelia Surtina SSpS war auf Heimaturlaub auf Flores, als ein starkes Erdbeben die indonesische Insel erschütterte. Zurück in Wien schildert die Steyler Missionarin ihre Eindrücke.

Sr. Lelia Surtina SSpS erlebte das schwere Erdbeben auf Flores. Die Steyler Missionsschwester arbeitet als Krankenhauseelsorgerin im Orthopäischen Spital Speising.
Sr. Lelia Surtina SSpS erlebte das schwere Erdbeben auf Flores. Die Steyler Missionsschwester arbeitet als Krankenhauseelsorgerin im Orthopäischen Spital Speising.
Sr. Lelia wird den Augenblick nicht vergessen, als der Boden unter ihr heftig zu schwanken begann. „Im ersten Moment wusste ich nicht, was los war. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Dann hörte ich schon die ersten Schreie der Dorfbewohner: ‚Hilfe! – Jesus, hilf!‘“, erinnert sich Sr. Lelia Surtina an die frühen Morgenstunden des 15. August, als ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,7 die Insel Flores erschütterte. Sr. Lelia war Ende Juni von Wien zu einem Heimaturlaub aufgebrochen, um sich um ihre pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. „Von einer Sekunde zur anderen verwandelte sich die Freude, wieder in der Heimat zu sein, in Trauer und Entsetzen“, sagt die Steyler Missionsschwester, sie seit 17 Jahren im Orthopädischen Spital Wien-Speising als Krankenhausseelsorgerin arbeitet.

Aus Angst vor Nachbeben schlafen die Menschen im Freien

Das Dorf, in dem die Eltern und ihr Bruder mit seiner Frau leben, liegt in Westflores zwischen den Städten Labuan Baja und Ruteng. „Das Erdbeben begann um 5.20 Uhr Früh“, berichtet Sr. Lelia. „Zum Glück waren die meisten Dorfbewohner bereits aufgestanden und unterwegs zur Arbeit auf den Reisfeldern und Kaffeeplantagen.“ Auch Sr. Lelia und ihre gehbehinderte Mutter befanden sich gerade im Freien, als die Erde bebte. Nur der Vater lag noch im Bett. Etwa eine Minute dauerte das Hauptbeben – eine Minute, die Sr. Lelia wie eine Ewigkeit vorkam.
„Gott sei Dank hat es unser Dorf nicht so heftig getroffen. Die Häuser bekamen zwar Risse, sind aber nicht zusammengestürzt und es wurde niemand verletzt. Die Wasserleitungsrohre wurden beschädigt, der Wasserbehälter war aber glücklicherweise nicht betroffen.“
Dennoch leben die 23 Familien aus Sr. Lelias Dorf nach wie vor im Ausnahmezustand: „Es gibt jeden Tag Nachbeben, mal stärker, mal schwächer. Aus Angst vor herabfallenden Teilen und den starken Rissen in den Häusern schlafen die Menschen seit dem 15. August im Freien.“ Die Hilfe der Regierung kommt nur langsam in die Dörfer. „Die Menschen haben aus Bambusstangen und Planen notdürftige Unterkünfte zusammengebaut. Der Zusammenhalt der Menschen ist groß: Jeder bringt Lebensmittel, es wird gemeinsam am offenen Feuer gekocht und gegessen“, erzählt die Steyler Missionsschwester. Da sich im Dorf selbst keine Kapelle befindet und der Weg dorthin zu gefährlich wäre, versammelten sich die Bewohner in einem offenen Haus zum Gebet.

Aus Angst vor den Nachbeben übernachten die Menschen immer noch im Freien. In Eigenregie wurden provisorische Zelte aus Bambusstangen und Planen errichtet.
Aus Angst vor den Nachbeben übernachten die Menschen immer noch im Freien. In Eigenregie wurden provisorische Zelte aus Bambusstangen und Planen errichtet.
Weil die Straßen zerstört sind und der Weg zur Kapelle zu gefährlich ist, versammelten sich die Bewohner mit Sr. Lelia im Dorf zum Gottesdienst.
Weil die Straßen zerstört sind und der Weg zur Kapelle zu gefährlich ist, versammelten sich die Bewohner mit Sr. Lelia im Dorf zum Gottesdienst.

Auch Gemeinschaften der Steyler Schwestern sind betroffen

Die Kommunitäten und Einrichtungen der Steyler Schwestern auf Flores sind unterschiedlich stark vom Erdbeben getroffen wurden, weiß Sr. Lelia durch Kontakte mit Mitschwestern. „Die Kommunität Reo an der Nordküste der Region Mangarei befand sich Zentrum des Bebens. Das Haus der Schwestern und die Polyklink sind vollkommen zerstört.“
Nicht ganz so schlimm ist die Situation in Labun Bajo, wie sich Sr. Lelia bei einem Besuch überzeugen konnte. „Unsere Schwestern führen dort einen Kindergarten, eine Volksschule und ein Gymnasium mit Internat sowie eine Einrichtung für Frauen in Not und Waisenkinder. Die Gebäude haben zum Teil große Risse. Die Kinder und die Schwestern übernachten daher in behelfsmäßigen Zelten.“
Obwohl die Steyler Missionsschwestern auf Flores zum Teil selbst mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen haben, setzen sie sich für die betroffene Bevölkerung ein. „Einige unserer Schwestern sind z.B. an der Verteilung von Hilfsgütern der Organisation „Kompas“ beteiligt.“

Steyler Missionsschwestern beteiligen sich an der Verteilung von Hilfsgütern.
Steyler Missionsschwestern beteiligen sich an der Verteilung von Hilfsgütern.
Am dringendsten werden Zelte, Decken, Lebensmittel und Hygieneartikel benötigt.
Am dringendsten werden Zelte, Decken, Lebensmittel und Hygieneartikel benötigt.

Warum trifft es immer die Armen?

Die Sorge um ihre Eltern und Geschwister sowie ihre Mitschwestern beschäftigt Sr. Lelia seit ihrer Rückkehr nach Wien ständig. „Ich rufe meine Schwester jeden Tag an, um nachzufragen, wie es ihnen geht.“ Und es treibt sie auch die Frage um, „warum in erster Linie immer die Armen von Naturkatastrophen wie diesem Erdbeben betroffen sind?“ Um sich gleich selbst die Antwort zu geben: „Wer es mit Mühe und in jahrelanger Arbeit schafft, ein einfaches Haus zu errichten, hat nicht die finanziellen Mittel um erdbebensicher zu bauen.“

Fotos: SSpS, Ursula Mauritz

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