RS
28. Jan 2026
Der Steyler Missionar und Erzbischof von Belgrad fand bei interreligiöser Feier in Serbien klare Worte: "Gott ist barmherziger als all unsere Vorschriften, Gesetze und die Grenzpolizei.“

Der Grenzfluss Drina trennt Bosnien-Herzegowina und Serbien, doch für immer mehr Geflüchtete ist er eine Grenze zwischen Leben und Tod. In der serbischen Grenzstadt Loznica hat der Steyler Missionar und Erzbischof von Belgrad, Kardinal Ladislav Nemet SVD, am Dienstag, 27. Jänner 2026, 28 Grabsteine und Grabstätten für ertrunkene geflüchtete Menschen eingeweiht.
Die Gedenkorte auf dem orthodoxen städtischen und dem islamischen Friedhof entstanden auf Initiative der zivilgesellschaftlichen Organisationen SOS Balkanroute, Djeluj.ba und Leavenoonebehind und wurden mit Spenden aus Österreich und Deutschland finanziert. Die Zeremonie war interreligiös angelegt, neben dem serbischen Erzbischof stand auch der Belgrader Imam Tafa El Beriša der Feier vor, bei der auch das österreichische Pfarrnetzwerk Asyl vertreten war.

Kardinal Nemet hob im Rahmen der Feier die Würde der Geflüchteten hervor und kritisierte die Praxis an den Grenzen: „Jeder Mensch hat einen grenzenlosen Wert. Kriege, Gewalt und Klimaveränderungen führen zu Migration. Ob man sie legal oder illegal nennt, ändert nichts an der Würde der Menschen. Gott ist weitaus barmherziger als all unsere Gesetze, Vorschriften und die Grenzpolizei“, stellte der Kardinal klar. Wären die Verstorbenen an einem anderen Ort geboren worden, hätten sie sicherlich frei nach Europa kommen können.
Kardinal Nemet verglich das Engagement der Flüchtlingshelfer:innen mit jenem aus dem Buch Tobit, wo der Jude Tobit, der in Ninive in der Fremde lebte, sich seiner toten Landsleute annahm und sie begrub.

Unter am Friedhof bestatteten 19 nicht-identifizierten und neun identifizierten ertrunkenen Geflüchteten war auch das neun Monate alte syrische Baby Lana Hilal, das im August 2024 gemeinsam mit seinen Eltern in der Drina ertrank. „Lanas Tod steht symbolisch für die extreme Verletzlichkeit von Menschen auf der Flucht – und für ein System, das sie ohne Schutz zurücklässt“, sagte Petar Rosandić von SOS Balkanroute. Auf dem islamischen Friedhof wurde zudem ein Brief von Lanas Onkel Muhammed Hilal verlesen. „Obwohl seit der Tragödie fast eineinhalb Jahre vergangen sind, ist der Schmerz noch immer da, als wäre alles erst gestern geschehen“, erinnerte sich Muhammed Hilal.

Die Friedhöfe in Loznica sind Teil einer seit mehreren Jahren laufenden Gedenkarbeit. Der bosnische Flüchtlingshelfer Nihad Suljic und SOS Balkanroute hatten bereits Friedhöfe in Bijeljina und Zvornik eingerichtet.
Mittlerweile wurden in Bosnien und Serbien 95 verwitterte Holzmarkierungen durch dauerhafte Grabsteine ersetzt, vier Friedhöfe gestaltet sowie drei Denkmäler in Slowenien, Serbien und Bosnien errichtet, um an die verstorbenen Geflüchteten auf der Balkanroute zu erinnern. Schätzungen zufolge gibt es allein an der Drina mehr als hundert Gräber, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Leichen nie geborgen wurden. Die Gedenkarbeit macht auch auf die anhaltende humanitäre Krise entlang der Balkanroute aufmerksam.

Quellen: SOS Balkanroute, Kathpress
Fotos: ©David Pichler - SOS Balkanroute
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