12. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Seid ohne Furcht

1. Lesung: Jer 20,10-13
2. Lesung: Röm 5,12 -15
Evangelium: Mt 10,26-33


Seid ohne Furcht! - Herr, dein Wort in Gottes Ohr! 

Jesus nachzufolgen und seine Sendung als die eigene anzunehmen, also das Wort Gottes „gelegen oder ungelegen“ verkünden, scheint gar nicht so leicht und ungefährlich zu sein – jedenfalls erlebe ich dies so im heutigen Evangelium. Die wiederholte Aufforderung zur Furchtlosigkeit stellt sozusagen eine Klammer dar, in die die Botschaft eingebettet ist. Es geht um die Bereitschaft der Jünger, auch Leid und Schwierigkeiten anzunehmen, und sich nicht vom Auftrag Jesu abbringen zu lassen. Ist es nicht eine Überforderung unserer begrenzten Möglichkeiten und Kräfte, im Angesicht einer akuten Bedrohung aufgefordert zu werden, sich nicht zu fürchten und weiterzumachen? Wir sind und bleiben doch Menschen; sind keine Supermänner oder Superfrauen. Hat Jesus nicht am eigenen Leib zu spüren bekommen, wohin ein solches Vertrauen führt? Wir leben ja nach dem Ostergeschehen, wissen also um die Ablehnung, die Todespläne gegen ihn – und schließlich seine Verurteilung und sein Sterben am Kreuz. „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ Ich lese in der Schrift von der Ölbergstunde, vom Beten und Bangen Jesu; von seiner Bitte: Vater, wenn es möglich ist, so lass diesen Kelch an mir vorüber gehen… Menschlich gesehen, hat ihn der Vater nicht erhört. „Dein Wort in Gottes Ohr“, sagt man. Dass bedeutet doch: möge Gott hören, ja erhören, womit sich eine große Erwartung verbindet. Und wenn ich nicht irre, geht es doch oft so aus, dass Gott dieses konkrete Wort, diese Bitte nicht ge- bzw. erhört hat. 

Ist es also nicht abenteuerlich und waghalsig, keine Furcht zu haben und Jesu Botschaft „von den Dächern zu verkünden“? 


Was für Jesu Nachfolgerinnen und Nachfolger gilt 

Wir erinnern uns, was Jesus nach dem Evangelisten kurz vorher gesagt hat über die Ausrüstung der Wandermissionare. Nicht die Dinge dieser Welt, an denen wir so hängen und die ja auch wichtig für unser Leben sind, sind entscheidend und hilfreich. Ja, manchmal hindern sie sogar und verhindern, dass unser Blick darüber hinaus geht; dass wir zu einem wertvolleren Leben berufen sind – nicht im Materiellen stecken bleiben sollen. Wir sollen nicht bei uns bleiben, sondern uns um den anderen kümmern. Offen und frei sein für das Evangelium, für das Wort Gottes, von ihm ausgehend die Welt und das Handeln oder Nicht-Handeln der Menschen betrachten und bewerten – ohne Furcht. 


Gastfreundschaft und Ablehnung erfahren 

So wie Jesus herzliche Gastfreundschaft erfahren hat, aber auch eine immer mehr sich verdichtende Ablehnung, so ergeht es auch denen, die ihm nachfolgen. Das soll und kann man nicht beschönigen oder die Augen davor verschließen. Wir feiern dies übrigens in jeder Eucharistiefeier, wenn wir seiner gedenken: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ – bedeutet ja wohl nicht in erster Linie, das Mahl Jesu mit seinen Jüngern so in Erinnerung zu rufen, wie wir uns Erinnerungsfotos oder ein Video anschauen, sondern es als die Aufforderung Jesu an uns alle verstehen, in seine Fußstapfen zu treten; seine Worte für die Menschen heute lebendig werden zu lassen; seine heilsamen Taten zu den unseren zu machen – „Was ihr dem Geringsten getan habt…“ – und das ohne Furcht. Immer wieder wurde und wird der Kirche oder uns Gläubigen der Vorwurf gemacht, Jesu Botschaft zu verharmlosen, uns anzupassen, nicht mehr anzuecken, uns in die Sakristeien zurückzuziehen. Tun wir dies aus etwa Bequemlichkeit oder aus Angst, uns liebgewordene Privilegien zu verlieren? Wie oft begegnen wir solchen (vielleicht auch unberechtigten) Anfragen mit einer gewissen Überheblichkeit und versuchen, rationale Gründe für unser Handeln bzw. Nichthandeln anzubringen und uns damit zu verteidigen. Bevor wir allzu schnell abwinken, sollten wir uns ernstlich diesen Fragen stellen. 


Standhaftigkeit der Missionare 

Ja, es gibt sie Gott sei Dank, die Frauen und Männer, die Jüngerinnen und Jünger, die Jesu Botschaft angstfrei und unter Einsatz ihres Lebens verkündet haben und noch verkünden. Oft tun sie es im Verborgenen, still, unbemerkt von der Tagespresse. Ohne sie wäre die Kirche ärmer und weniger jesuanisch. Sich an diesem Jesus orientieren tut zu allen Zeiten gut – und nicht an verfestigten Traditionen, an Gesetzen und Riten. Jesu Umgang mit dem Gesetz, mit Vorschriften, war souverän und menschenfreundlich. Er konnte dies leben und tun, weil er ganz in Gott verankert war. Wo bin ich, wo sind wir letztlich verankert? Fürchten wir nicht zu sehr diejenigen, die unseren Leib töten können – d. h. alles das, was für uns so wichtig geworden ist; woran wir hängen; was „man“ so braucht; was angeblich so wichtig für unseren Dienst an den Menschen ist? 

Eine missionarische Kirche sollte gerade an den Orten (Areopagen) gegenwärtig sein und sich einbringen, wo die Botschaft Jesu not-tut; wo es brennt. Es brennt doch an so vielen Stellen – hier bei uns und in aller Welt. Wenn wir dann daran glauben, dass jeder Mensch, „jedes Haar auf unserem Haupt“, für Gott wichtig ist, dann müsste dieser Andere auch für uns wichtig sein – egal welcher Nation, welcher Kultur oder Religion er angehört. Dazu gehören dann auch der Glaube und das Vertrauen, dass dieser Gott uns über alle Schwierigkeiten, alle Angst und Not, ja über den Tod hinaus liebt und will, dass wir leben. Ist das nicht eine wirklich frohmachende und Furcht überwindende Botschaft für die Menschen heute?


P. Heinz Schneider SVD

Frühere Jahre

Keine Daten vorhanden

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Facebook und Youtube welche dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Datenschutzinformationen