2. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Die heilige Gemeinde Gottes

1. Lesung: Jes 49,3.4–6
2. Lesung: 1 Kor 1,1-3
Evangelium: Joh 1,29-34

zum Kantilieren des Evangeliums: www.stuerber.de

Die Gemeinde von Korinth 

In den vor uns liegenden Sonntagen werden wir Stück für Stück aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth als 2. Lesung in der Eucharistiefeier hören. Diese Gemeinde liegt Paulus besonders am Herzen, da sie von ihm persönlich gegründet wurde. 

Leider ist die ursprüngliche Begeisterung unter den Neuchristen verloren gegangen. Ernste Missstände haben sich in der Gemeinde breit gemacht. Paulus hört von Ephesus aus von diesen Problemen, wie Blutschande, Unzucht, Rechtsstreitigkeiten und Spannungen innerhalb der Gemeinde. Als Gründer fühlt er sich verantwortlich und möchte deshalb in seinem Brief die Mitglieder der jungen Gemeinde wieder auf den rechten Weg zurückführen. 


Paulus, der Erzieher

Paulus ist ein phantastischer Pädagoge. Anfangs hält er mit seiner Kritik zurück. Er erinnert die Christen vielmehr an ihre große Würde als Glieder der christlichen Gemeinde Gottes. So spricht er zuerst von den Charakteristiken und Auszeichnungen der Gemeinde Gottes. Sie ist die Kirche Gottes auf Erden Geheiligte in Christus – Berufen als Heilige. 


Kirche Gottes auf Erden 

Zuallererst spricht Paulus zu den Christen in Korinth von ihrer Beziehung zu Gott: „Als Gemeinde seid ihr von Gott geschaffen worden. Deshalb gehört ihr Gott an. Nicht menschliche Interessen haben euch zur Gemeinschaft geführt, sondern der Wille Gottes.“ Paulus sieht in der Gemeinde von Korinth das wahre Israel, das von Gott neu erwählte Volk Gottes verwirklicht. Die Gründung dieser Gemeinde an diesem Ort ist kein Zufall, sondern Teil von Gottes Planen für das Heil der ganzen Welt. Dieses Volk Gottes, die Kirche, die Gemeinschaft aller Jünger/Innen realisiert sich in konkreten Gemeinden an bestimmten Orten in der ganzen Welt. Die kleine Gruppe von Menschen ist aus der Gesamtbevölkerung der Hafenstadt Korinth von Gott berufen worden, um die Verkündigung des Reiches Gottes in ihrer Region fortzuführen und zwar durch ihre eucharistischen Mahlfeiern, durch ihre Dienste an den Bedürftigen und durch das Zeugnis ihres Glaubens. 

Diese große Würde ist jeder Ortsgemeinde eigen, wo immer sie sich um das Wort und den Altar versammelt. Die Korinther und auch wir in unserer Gemeinde sollten uns stets dessen bewusst sein: Von Gott geschaffen, setzen wir als Volk Gottes Christi Heilswerk in der Welt fort. Trotz all unserer Erbärmlichkeiten, unserer Fehler und Schwächen. 


Geheiligte in Christus 

Weil die Mitglieder der Gemeinde Gott angehören, dürfen sie sich „Heilige“ nennen. Gottes Handeln an ihnen hat sie heilig gemacht. In diesem Zusammenhang hat heilig wenig mit Tugend und vorbildlichem Betragen zu tun. Es geht hier nicht in erster Linie darum, dass jeder Christ moralisch einwandfrei und sündenlos lebt. In dieser Sicht hätte Paulus von der Gemeinde in Korinth nicht behaupten können, dass sie heilig ist. Er weiß sehr wohl um die Schwäche und dunklen Seiten des Gemeindelebens in Korinth. In den Kapiteln 5 und 6 des Briefes greift er die Missstände im persönlichen und gemeinschaftlichen Leben mit aller Schärfe an. 

Entscheidend ist die Einsicht, Heiligkeit wird verwirklicht durch das Heilshandeln Gottes an den Menschen, Heiligkeit ist eine Gabe Gottes. Diese Gabe, der Heilige Geist, ist uns schon in der Taufe geschenkt worden. Wir sind in der Taufe mit Christus gestorben und auferstanden. Somit nehmen wir am Leben des Auferstandenen teil. Der Heilige Geist wohnt in uns(1Kor 3,16) und so sind wir „heilig in Christus“ (1Kor 1,2). Weil Christus durch de Geist in uns wohnt, sind wir geheiligt, d. h. sind wir von Gott angenommen und ihm wohlgefällig. 

Aus diesem Verhältnis von Heiligkeit ergibt sich auch die Forderung nach einem entsprechenden moralischen leben. Die guten Werke der Geschwister- und Nächstenliebe sind Ausdruck und Bestätigung unseres gemeinschaftlichen Lebens mit dem Auferstandenen. Weil wir darüber hinaus im Mitmenschen die Gestalt Christi entdecken, haben wir Respekt füreinander und Vertrauen ineinander. 


Berufen als Heilige 

„Mein Knecht“ nennt Gott im Alten Testament einen Menschen (Mose, David) oder eine Gruppe von Menschen (Israel), die er dazu berufen hat, seinen Heilsplan auszuführen (1. Lesung). Die Gemeinde von Korinth ist in der Überzeugung von Paulus von Gott berufen, als seine Heiligen das Werk Christi fortzuführen. Sie sind als schwache Menschen berufen (1Kor 1,27), und doch ist jedem die Fülle von Gnadengaben gegeben(1Kor 12,4-10), damit er seiner Berufung treu die Aufgaben erfüllen kann, im Dienst an der Gemeinde. 

Es ist eine kleine Gruppe von Menschen, die Gott aus dieser Hafenstadt berufen hat. Und doch hat Gott etwas Bestimmtes mit ihr vor. Weil er sie berufen hat, können sie damit rechnen, dass Gott ihnen die nötigen Talente für ihre Aufgaben schenken wird. 

So sind auch wir als Volk Gottes berufen hier an diesem bestimmten Ort für diese ausgesuchte Zeit. Immer wieder sollten wir dies einander bezeugen. Wir haben deswegen auch besondere Gaben erhalten, die wir jetzt und hier benötigen. Fragen wir uns: Welche Gaben sind uns geschenkt worden, durch die wir mithelfen können, am Werke Gottes mitzuarbeiten, sein Werk zu vollenden? Wo und wie kann ich mich einbringen hier in meiner Gemeinde, in die mich Gott gestellt hat? 


Würde unserer Gemeinde

- Wir sind Kirche Gottes an unserm Ort
Durch unser Zusammenkommen, Feiern, Verkünden verwirklichen wir die Kirche Gottes an unserem Ort. 

- Wir sind Geheiligte in Christus
Trotz aller unserer persönlichen und gemeindlichen Schwächen heiligt uns Christus durch seinen Geist, macht er sein Heil gegenwärtig in uns. 

- Wir sind berufen als Heilige
Gott hat etwas Besonderes hier und jetzt mit uns vor und hat uns für diese Aufgaben die nötigen Talente gegeben.


P. Dr. Dietmar Klose SVD - [Anmerkung der Redaktion: Die von P. Klose verfasste Predigt wurde schon veröffentlicht in: DIE ANREGUNG, Nettetal 1999/; S. 20-22]

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