20. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Dazugehören

1. Lesung: Jes 56,1.6-7
2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32
Evangelium: Mt 15,21-28

Liebe Schwester und Brüder in Christus! 

Es ist generell ein gutes Gefühl, wenn man dazu gehört. Das ist eine Binsenweisheit für sehr viele Bereiche unseres Lebens. Wer dazu gehört, der genießt den Schutz einer Gruppe, der darf mitmachen, wenn sich etwas ereignet. Wer dazu gehört, der kann mitreden, der wird gehört. Ihm wird eine gewisse Achtung entgegengebracht. Wenn jemand ausgeschlossen ist, dann ist er auf sich alleine gestellt, ist schutzlos, muss selbst sehen, wie es weiter geht. Ausgeschlossen zu sein, kann zu einer üblen und niederschmetternden Erfahrung werden. In der heutigen ersten Lesung aus dem dritten Teil des Propheten Jesaja (Tritojesaja) wird diese Thematik, wenn auch leider nur sehr verkürzt, aufgegriffen. Geformt in eine Gottesrede lässt der Prophet sein Volk wissen, dass auch die „Fremden“, also diejenigen, die keine Zugehörigkeit von Geburt her haben, sehr wohl am Heil Anteil erhalten und zur Gemeinde gehören, wenn sie sich für Gott und seine Gebote entschieden haben. Es ist nicht die Herkunft, sondern die innere Haltung, die über die Zugehörigkeit zum Gott Israels entscheidet. Wer seinen Namen liebt, wer ihm dient, seine Gebote hält und dem Bund in Treue zugetan ist, der gehört dazu. Hier liegt natürlich reichlich Stoff für Konflikte innerhalb der Gemeinde. Jede abgeschlossene Einheit, die sich auf ein Geburtsrecht berufen hat, würde bei einer solchen Öffnung an Widerstand denken. So sind wir Menschen in der Tendenz. Dass das nicht für alle und jeden gilt, ist klar; aber die große Mehrheit wird aufmucken und versuchen, ihre Rechte zu verteidigen, die übrigens in keiner Weise beschnitten werden. Das Heil wird nur allen zugänglich gemacht; keinem wird etwas genommen. Unser heutiges Evangelium steht ganz in der Tradition des Propheten.  

Es hat den Anschein, dass auch die matthäische Gemeinde noch so ihre Schwierigkeiten mit der Öffnung des verheißenen Heils für alle Völker hatte. Richtig gesehen müht sich der Evangelist, genau diese Ausweitung auf alle Menschen hin immer und immer wieder zu predigen und seinen Leuten klar zu machen. Die Heilung der Tochter der kanaanäischen Frau, um die es in unserem Text geht, steht ziemlich genau in der Mitte des Matthäus-Evangeliums. Es kann leicht ein Bogen zum Anfang und zum Ende geschlagen werden: Die Sterndeuter zu Beginn, die für das Interesse der Völker, der Welt, stehen und der Aussendungsbefehl am Ende „Geht in alle Welt“. Matthäus liegt dieser Gedanke sehr am Herzen. Verwundern müssen die scharfen Worte, die wir heute gehört haben: „Das Brot den Kindern wegnehmen und es den Hunden vorwerfen.“ Noch mehr verwundern muss die anfängliche Haltung oder Unsicherheit Jesu. „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Er schränkt hier zunächst wieder ein, was der Prophet schon längst ganz weit geöffnet hatte. Doch die Frau lässt nicht locker. Sie macht sich sogar ganz klein und begibt sich auf die Ebene der Hunde, die doch wenigstens etwas abbekommen. Und das ist die Wende. Die kanaanäische Frau wird für ihren Glauben gelobt. Und ihre Tochter wird geheilt. Man könnte jetzt meinen, die Frau hat Jesus eine Lehre erteilt. Er, der zunächst abweisend war, sie ignorierte, musste einsehen, dass sie Recht hatte und hat sich eines Besseren belehren lassen. Möglich! 

Aber ich glaube, dass diese Inszenierung eine gewollte Katechese für die Jünger Jesu und die matthäische Gemeinde ist. Diese Ausländerin verstand sich auf die Gebetssprache der Juden. Sie sprach Jesus als Herrn und Sohn Davids an. Diese Frau hat Eigenschaften, die sie als wahre Gottsucherin auszeichnen: Sie bittet, nein, sie schreit hinter ihrem Heil her. Diese Frau hat eine ganz tiefe Überzeugung, die sie nicht entmutigt werden lässt; selbst das harte Wort von den Hunden schreckt sie nicht ab. Sie weiß um das Heil, das von Jesus ausgeht und nichts hält sie davon ab, dieses auch für ihre Tochter und sich einzufordern, obwohl sie nicht zu dem erwählten Volk gehört: Sie kennt ihren Platz. Die Kanaanäerin hat eine innere Haltung, die einem glaubenden und suchenden Menschen gut zu Gesicht steht. Sie kann sich nicht auf ihre Herkunft berufen, aber sie „kämpft“ für das, was ihr zusteht. 

Das ist eine Katechese für die Jünger und auch für uns. Lehnen wir uns nicht oft satt und genügsam zurück und überlassen alles dem lieben Gott? Und wenn es dann nicht so läuft, wie wir das gerne hätten, dann ist es seine Schuld. Zum Glauben gehört das Bitten, das zeitweise notwendige Schreien, die Demut, seinen Platz zu kennen, aber auch diese verbissene Überzeugung, dass allein von Jesus Christus Heil ausgeht. Dazuzugehören ist nicht alles, man muss auch etwas dafür tun, auch wenn die Eintrittskarte in unserem Fall mit der Taufe schon lange gelöst wurde. Die Begegnung mit Jesus suchen hält uns im Innenraum des Heils und da kann und darf es auch einmal emotional zugehen. 


P. Fabian Conrad SVD

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