Predigtimpuls
Der Glaube – eine Herausforderung
1. Lesung: Jes 56.1.6-7
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32
Evangelium: Mt 15,21-28
„Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt“. Diesen Satz hörten wir zum Schluss des heutigen Evangeliums. In der Tat ging es bei Jesus in all seinem Tun und Handeln immer um den Glauben.
Vom 11. bis 17. Juni fand in diesem Jahr die ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" statt. Mit einem breit gefächerten Programmangebot in Fernsehen, Radio und Internet wurde der Blick auf die vielen Spielarten des Glaubens geöffnet. Unterschiedliche Menschen wurden gefragt, was oder woran sie glauben. Es gab interessante, aber auch sehr kritische Diskussionen. Die deutsche Schauspielerin Marie-Luise Marjan sagte: "Ich glaube an Gott als eine übergeordnete Kraft, die dem Menschen Halt gibt. Und ich glaube an die Natur, die den Menschen im Gleichgewicht hält, und an das Positive im Menschen, das die Welt zusammenhält."
„Glaube ja, Kirche nein“. Diese oder ähnliche Aussagen sind uns bekannt. Für viele Menschen in unserer Zeit, vor allem in unserem Kulturraum, ist die Glaubensfrage schwieriger geworden. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Manche können nichts mit dem Glauben anfangen. Manche machen sich lustig oder lachen sogar über den Glauben bzw. die Menschen, die glauben und zur Gemeinschaft der Kirche gehören. Vielleicht ist es ein Trost, sich zu erinnern, dass Menschen sich mit dem Glauben immer schon schwer getan haben. Davon hören wir viel in der Bibel. Die Geschichte von Abraham im Alten Testament ist uns bekannt, worin der Herr zu ihm bzw. über seine Frau Sara sagte: „Ich will sie segnen und dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich segne sie: Völker gehen von ihr aus; Könige von Völkern werden ihr entstammen“. Da fiel Abraham auf sein Gesicht nieder und lachte. Er sprach in seinem Herzen: „Können einem Hundertjährigen noch Kinder geboren werden und kann Sara als Neunzigjährige noch gebären?“ (Gen 17,16-17).
Abraham kann sein Unverständnis gegenüber Gott nur mühsam verbergen. Nach menschlichem Ermessen ist die „biologische Uhr“ seiner Frau Sara abgelaufen. Deshalb wird es keinen Nachkommen geben! Welchen Grund sollten dann noch die daran geknüpften Verheißungen haben? Abraham kann über Gott nur noch lachen. Doch Gottes Logik ist nicht die Logik der Menschen, die sich nur in ihrem begrenzten Rahmen bewegen kann. Bei und mit Gott ist nichts unmöglich! Und so heißt es etwas weiter im Buch Genesis schließlich: „Der Herr nahm sich Saras an, wie er gesagt hatte, und er tat Sara so, wie er versprochen hatte. Sara wurde schwanger und gebar dem Abraham noch in seinem Alter einen Sohn zu der Zeit, die Gott angegeben hatte (Gen 21, 1-2). Eine wunderschöne Glaubensgeschichte.
„Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen“. Was kann uns diese Frau heute sagen? Die Begegnung dieser Frau, einer Jüdin, mit Jesus ist eigentlich zunächst sehr befremdend. Es klingt so, als ob Jesus sie ablehnen wollte. Aber die Reaktion der Frau ist bewundernswert. Sie läuft nicht weg und denkt sich ihren Teil. Sie ist nicht verletzt, gekränkt oder wütend. Nein! Sie akzeptiert ihn als den Herrn. Sie glaubt an ihn. Sie glaubt, dass er der Messias ist, der Sohn Davids. Und Jesu Verhalten können wir dann folgendermaßen verstehen. Er wollte sie nicht beleidigen. Nein! Er wollte ihren Glauben prüfen. Er wollte schauen, ob sie es wirklich ernst meinte. Oder ob es nicht doch nur so dahingesagt war, weil sie von irgendwo gehört hat, dass er angeblich heilen kann. Die Frau bestand die Glaubensprobe. Dadurch hat Jesus ihren Glauben sogar vertieft und gefestigt.
Das ist es liebe Mitchristen. Das Glauben ist und bleibt eine große Herausforderung. Aber was sagt Jesus: „Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet“ (Mk 13,13). Ja, es kommt darauf an, ob es mir gelingt, bis zum Ende standhaft zu bleiben, trotz Höhen und Tiefen, trotz Fragen und Zweifel. Wenn mir das gelingt, kann ich immer neu den Schatz des Glaubens entdecken und daraus Kraft und Hoffnung schöpfen, für mein Leben, Tun und Sein. Amen.