22. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Das Kreuz auf sich nehmen er müsse … vieles erleiden Jünger sein Leben retten - Leben verlieren

1. Lesung: Jes 56,1.6-7
2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32
Evangelium: Mt 15,21-28


Impulse zur Predigt:
Ich möchte keine Predigt vorlegen, sondern Impulse geben, damit der Prediger/die Predigerin selber zu dem Leitgedanken der Predigt finde - und das Wort in die Gemeinde hinein sagen kann - nach persönlicher Beschäftigung mit einem der verschiedenen Themen.
Ich glaube, dass nicht alle Themen des Evangeliums mit den Zuhörern angeschaut werden können. Beschränkung tut not und hilft, einen konkreten Bezug zum Leben zu finden.


Das Kreuz auf sich nehmen
_ Ein so oft verwendeter Satz in der Glaubensgeschichte der Kirche. Mit viel Unheil, weil nicht alles Schwere einfach zu erdulden ist.
_ „Du bist eingeladen, deinen Schmerz in deinem Herzen wahrzunehmen - und Frucht bringen zu lassen.“ Das meint Jesus, wenn er dich einlädt, dein Kreuz auf dich zu nehmen. Er ermutigt dich, dein eigenes Leben zu umarmen mit allem, was ist. Die eigenen Wunden nicht verstecken. Dir von ihnen ein Stück eigene Wahrheit sagen lassen.
_ Es gibt in der Welt viel Schmerz und Leid. Doch der am schwersten zu ertragende ist der eigene Schmerz. Die eigenen Wunden sehen und mit ihnen zu leben versuchen, macht ruhiger, freundlicher, geduldiger. Und lässt anderen die Freiheit und den Mut, die eigenen oft schweren Wege zu gehen.
 Ermutigen, die eigenen Wunden zu sehen. Und darauf zu vertrauen, dass auch im Schweren des Lebens und des Glaubens in diesen Tagen Jesus mit dabei ist.

er müsse … vieles erleiden
_ Jesus muss – weil er treu ist: zum Willen des Vaters, zu den Menschen und zu sich selbst.
_ Es gibt Situationen, in denen diese dreifache Treue zum Kreuz führt. Weil Spannungen auftauchen, die zerreißen. Weil unterschiedlichste Standpunkte nicht miteinander zu vereinbaren sind, aber ausgehalten werden, z. B. Ehe und Familie / Kirche / Auftrag und eigene Entwicklung.
_ Wer aus der Liebe lebt, gerät in das Muss des Leidens. Aber auch in die Logik Gottes, dessen Liebe immer größer ist.
 Ermutigen, die Spannungen unserer Tage auszuhalten:
- Corona und die Beschränkungen, Freiheit und Sorge um Gesundheit
- Kirche als vertrauter Glaubens- und Lebensraum – die sich immer wieder so hart und unverständlich zeigt.
- Ehe und Familie sind nicht immer der Ort des Verstehens und des trauten Miteinanders; Erwartungen werden von Partnern nicht erfüllt. Und dennoch: bleiben, weil die Liebe stärker ist.

Jünger sein
Die Worte sagt Jesus, als es darum geht, die äußere Nachfolge des Mitwanderns zu wandeln in eine innere Nachfolge, bei der Liebe und Offenheit für Gott auch in Schwierigkeiten tragen. Ignatius kennt in den Exerzitien den Glaubensweg. Und dieses Wort vom Kreuztragen und Jüngersein gehört nicht an den Anfang des Glaubensweges, sondern in die Entscheidungssituation: Will auch ich glauben? – Bis dahin ist es ein weiter Weg. Nicht jede/r unserer Gottesdienstbesucher wird diese Fragen verstehen, weil er/sie den Weg so weit noch nicht gegangen ist.
Und doch darf im Kirchenjahr auch die Frage erlaubt sein, wenn sie mit dem Hinweis auf unterschiedliche Wegsituationen verbunden ist: Will ich ein Jünger Jesu sein? Habe ich mich für ihn entschieden? Auch wenn ich nicht immer alles gut finde, alles leicht ist. Wenn Spannungen auftreten. Unverständnis größer ist als ermutigende Gefühle und Stimmungen.
 Ermutigen mit den Fragen und dem Wunsch, Jünger/Jüngerin zu sein, zu Jesus zu gehen. Und mich ihm so anbieten, wie ich jetzt bin.
Hier kann ein Gebet des Predigenden aus dem eigenen Herzen und mit den eigenen Klippen die Zuhörenden bestärken zum eigenen Gespräch mit Jesus.

Leben retten – Leben verlieren

_ Achtung vor der Geringschätzung der vielfältigen Bemühungen um „Leben“. Keine Schelte auf unsere Gesellschaft und den Wunsch, möglichst viel aus dem „Leben“ herauszuholen.
_ „Leben“ ist bedroht. Immer:
- Corona - und was sich seit Februar alles an Gewissheiten verwandelt hat.
- Versprechen von Freundschaft und sogar Partnerschaft können mühsam werden.
- Gesundheit ist ein sehr zerbrechliches Gut: ein Autounfall, eine Diagnose nach einer Vorsorgeuntersuchung…
_ Viele der Zuhörenden werden nicht die Perspektive des „Lebens nach dem Tod“ als relevant für ihren Alltag erleben. Wenn hier ein Wort des Predigenden den Horizont weiten will, braucht es überzeugende persönliche Beispiele. Oder den Blick auf Jesus, der rein innerweltlich sein Leben verloren hat. Und dessen Zeugnis so vielen in der Geschichte seither Leben gegeben hat.
 Ermutigen, über meine Vorstellungen von „Leben“ nachzudenken, und die Weitung über diese Welt hinaus als Bestärkung und Hilfe für den Alltag erleben.

 

Dechant Jörg Meyrer

Frühere Jahre

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Facebook und Youtube welche dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Datenschutzinformationen