17. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Jesus steht mit all seinem Sein für das Reich Gottes

1. Lesung: 1Kön 3, 5.7-12
2. Lesung: Röm 8,28-30
Evangelium: Mt 13,44-52

In Literatur, Film und Fernsehen begegnet uns häufig das Thema der Schatzsuche. Menschen suchen nach einem verlorenen Schatz, von dem sie gehört haben, und sind bereit, dafür einiges einzusetzen. Das sind dann häufig abenteuerliche Geschichten mit nicht immer guten Ausgängen. Viele suchen ohne zu finden…
Und dann ist da die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Suche nach Antworten auf die großen Fragen, die das Leben stellt, die Suche nach der eigenen Bestimmung, nach dem Weg, den ich gehen soll… oder die Suche nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Liebe.
Das Thema „auf der Suche“ ist ein sehr existentielles Thema, und fast jede/r war oder ist nach irgendwas auf der Suche. Das geht weit über materielle Dinge hinaus – immer wieder ist da auch die Suche nach Gott…
Im Roman „Der Alchimist“ von Paulo Coelho geht es um Santiago, einen andalusischen Hirten, der einen wiederkehrenden Traum hat: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? War er nicht zufrieden mit seiner bescheidenen Existenz? Santiago ist mutig genug, seinen Traum nicht einfach beiseite zu wischen. Er wagt sich hinaus und begibt sich auf eine Reise, die ihn – aus Spanien – nicht nur über Tanger, Palmen und Oasen bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch immer mehr zu sich selbst und erkennt, was das Leben für Schätze bereithält, die nicht einmal mit Gold aufzuwiegen sind. Verschleierte Frauen und sich bekriegende Berber säumen seinen Weg, vor allem aber Menschen, die ihn er-muntern, die Geheimnisse der Welt zu erkunden: eine Zigeunerin, ein alter Mann, und nicht zuletzt der weise Alchimist. Das Leben steht demjenigen, der an seine Träume glaubt und bereit ist, sie zu verwirklichen, stets helfend zur Seite. Das ganze Universum wirkt darauf hin, dass aus Träumen Wirklichkeit wird. Aus dem Geheimnis der Alchemie, Blei in Gold zu verwandeln, schließt er, dass es, zur Erfüllung des persönlichen Lebensplans, darum geht, seine Träume in Wirklichkeit zu verwandeln. Die Liebe ist das Element, das alles in der „Weltenseele“ miteinander verbindet.
Im Evangelium hörten wir von einem Mann, der einen im Acker vergrabenen Schatz findet. Diese Entdeckung erfüllt ihn mit Freude – er scheint an einem wichtigen Ziel seines Lebens angekommen zu sein und setzt jetzt alles auf diesen Schatz – er verkauft, was er besitzt, und kauft den Acker.
Das Himmelreich, so wie es von Jesus verkündet wird, ist ein Ort oder ein Zustand der Freude und der Erfüllung. Gerade in der Zeit, in der wir heute leben, ist es wichtig, sich an diesen zentralen Inhalt unseres Glaubens zu erinnern. Die Person und die Botschaft Jesu als Quelle der Freude zu erfahren, in ihm das Ziel unseres Suchens zu finden – darum geht es bei der Verkündigung des Evangeliums. Als Glaubende sind wir eingeladen, das Gute und das Glück des Glaubens mit anderen zu teilen. Das verweist uns auf etwas, das uns übersteigt. Wir dürfen einer Liebe trauen, die über das Menschliche hinausgeht und alles in allem trägt. Wir erfahren sie dann, „wenn wir mehr als nur menschlich sind, wenn wir Gott erlauben, uns über uns selbst hinauszuführen, damit wir zu unserem eigentlichen Sein gelangen“ schreibt Papst Franziskus in „Evangelii Gaudium“ (EG 8).
Auf der großen Suche nach einem Schatz, für den wir alles andere aufzugeben bereit sind, liegt etwas geheimnisvoll Einfaches und immer wieder Neues. Die Suche nach diesem existentiellen Schatz führt uns zu einer fundamentalen und universalen Erfahrung des Menschseins. All jene, die das Leuchten einer besonderen Liebe erfahren haben, wissen um das entscheidende Mehr unseres Lebens. Diese Erfahrung kann man nicht für sich behalten. Wenn wir Freude erfahren, möchten wir sie gerne mit anderen teilen. „Das Gute neigt immer dazu, sich mitzuteilen. Jede echte Erfahrung von Wahrheit und Schönheit sucht von sich aus, sich zu verbreiten“ (EG 9)
Gerade wenn es um Nachfolge Jesu, um Jünger-Sein heute geht, spielt die eigene Motivation eine wesentliche Rolle. Was bewegt uns? Was suchen wir? Was haben wir bereits gefunden? Was geben wir von all dem auch an andere weiter?
Das Reich Gottes ist die zentrale Botschaft Jesu, für die er und sein ganzes Leben stehen. Heißt es doch im Römerbrief: „denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm 14,17) Jesus geht es genau darum, und darin könnte – wenn wir auf die „Zeichen der Zeit schauen“ – das Be-sondere des Schatzes liegen, den wir suchen oder vielleicht schon gefunden haben: Gerechtigkeit, Friede und Freude, konkretisiert durch die Liebe, auch in unserer Zeit – auch als Auftrag und Aufgabe für alle, die glauben.

P. Dr. Martin Üffing SVD

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