20. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

Eifer-sucht

1. Lesung: Jes 56.1.6-7
2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32
Evangelium: Mt 15,21-28

Ich möchte mein Volk eifersüchtig machen

Paulus will, das gibt er in unserer heutigen Lesung ganz offen zu, Eifersucht auslösen. Wer kennt sie nicht, Eifersuchtsszenen, berechtigt oder unberechtigt? Auf jeden Fall wissen wir alle, worum es geht: Da fühlt sich jemand zurückgesetzt, zu wenig beachtet. Da glaubt jemand, dass ein(e) andere(r) im Spiel ist. Und der/die Eifersüchtige erwartet oder verlangt, dass mit niemand anderem herzlicher Kontakt besteht, geredet wird, verständnisvolle Blicke getauscht werden. Die Befürchtung, dass jemand anderer wichtiger oder lieber gesehen ist, mehr Aufmerksamkeit findet, die wird als Bedrohung und Zurücksetzung der eigenen Person empfunden. Kinder, Geschwister sind dann und wann aufeinander eifersüchtig. Sie haben Angst, dass sie vielleicht zu kurz kommen, andere mehr erhalten. Liebende sind aufeinander eifersüchtig. Erfolgreiche werden Eifersucht von weniger Erfolgreichen zu spüren bekommen, Insider von Außenstehenden, Vertraute von Fremden usw.
Eifersucht ist aber nicht nur Misstrauen und Verlustangst. Eifersucht spielt sich nicht nur in schrecklichen Szenen ab. Eifersucht birgt auch die positive Energie, dass ich jemanden oder etwas mit Eifer suche. So macht Eifersucht Verlierensängste deutlich, macht Gefühle, Empfindungen, Liebe sichtbar – zwar oft übersteigert, aber eben doch.
Manchmal spielen wir mit der Eifersucht. Dies vor allem dann, wenn wir den Beweis haben wollen, dass ich etwas wert bin, dass der Partner/die Partnerin mich mag…

Paulus will die Angehörigen seines Volkes eifersüchtig machen
Und er benützt dazu die Situation, dass Fremde, Heiden, Nichtjuden, Sklaven Gott näherstehen als viele aus dem eigenen erwählten Volke. Sie haben Jesus gefunden ­ die Seinen nicht.
Sie haben seine Botschaft verstanden – die Seinen noch nicht. Sie glauben an seine Liebe, dass der für sie gestorben und auferstanden ist, die Juden nicht.
Sie haben Rettung und Annahme gefunden, das erwählte Volk noch nicht in dieser Intensität.
Eifersucht soll sie jetzt dazu bringen, das Heil, den Heiland in seiner überraschenden und neuen Gestalt zu finden; den, der kam, um den Ungehorsam aller zu sühnen und alle aus dem Tod zu retten, Alle mit herzlichem Erbarmen zu beschenken.
So erwächst uns aus dieser Lesung die Aufgabe, dass wir so glauben und leben, dass die anderen, unsere Zeitgenossen, alle suchenden und fragenden Menschen anfangen, unseren Gott mit Eifer zu suchen. Man muss uns anspüren, dass wir Erlöste und Befreite sind, dass wir eine Hoffnung in uns tragen, dass die Liebe die treibende und prägende Kraft unseres Lebens ist. Unsere Ausstrahlung sollte deutlich machen, dass wir um den Retter wissen, dass auch unsere Schuld und unser Versagen in Gottes Erbarmen Platz haben. Wir sind Menschen, die angenommen sind vor jeder Leistung und trotz aller Schuld – und die deshalb trotz allem Schweren, trotz Sorgen und Problemen, trotz Krankheit, Trauer und Leid Lebensmut und Zukunft haben ­ und darum wissen.

Im Evangelium begegnet uns so eine mit Eifer suchende Frau…
Die Frau, von der wir im Evangelium hörten, sie ist so eine. Sie sucht mit großem Eifer Gesundheit und Heil für ihre Tochter. Und sie weiß, bei wem sie suchen muss. Als sie bei Jesus zunächst abblitzt, macht sie eine Szene. Sie schreit und weint auf offener Straße hinter Jesus und den Jüngern her. Sie schreit ihre Not heraus. Den Jüngern ist das unangenehm. Der Meister soll ihr doch geben, was sie will, damit Ruhe einkehrt und die Blicke aufhören.
Sie kommt sich zurückgesetzt vor, weil sie eine Fremde ist, nicht zum Volk Israel gehört, zu dem sich Jesus primär gesandt weiß. Dann kommt es zum Gespräch. Ihre Eifer-sucht wird deutlich. Wenigstens ein bisschen etwas soll für sie abfallen, das reicht ihr schon. Gar nicht viel, nur ein wenig …
Du sollst haben, was du willst, sagt ihr Jesus. Und Heil, Glück, Zuneigung stellen sich ein. Sie erfährt Rettung aus Krankheit, Erlösung vom jahrelangen Leiden, Befreiung von all dem, was ihre Tochter so besetzt hielt.

Das Evangelium wird zur Einladung an uns
Dieser Text heißt für mich zunächst nichts anderes als: Suche die Begegnung, das Heil, Rettung, Befreiung, Erlösung, Glück, kurz deinen Jesus mit Eifer! Such ihn, auch wenn Du glaubst, dass du es nicht (mehr) verdienst! Geniere dich nicht ob deines Flehens, deines Betens, deiner Tränen, deiner Hartnäckigkeit.
Sag ihm, was du IHM zutraust und von IHM erwartest; dass er deine ganze Hoffnung ist, dass du auch manchmal glaubst, dass du zu kurz kommst, aus welchen Gründen auch immer! Sag IHM deine Not, und die der deinen und deiner Zeit! Erinnere IHN an sein Wort und an sein Wesen, HEILAND zu sein!
Er wird dich befreien, erfahren lassen, dass Heil wird. Sicher wird all dies nicht genauso geschehen, wie du es willst, wie du es im Kopf hast und es dir vorstellst, aber es wird so kommen, wie es für dich und die deinen gut ist.
Fang mit dem Glauben, dem Beten, dem Vertrauen immer wieder an!
Lass dich vielleicht sogar eifersüchtig machen von denen, die dir im Glauben voraus sind (von den Heiligen, von denen, die du kennst und schätzt)! Lass dich eifersüchtig machen von denen, die näher an IHM dran sind, deren Glaube größer ist! Es wäre doch gelacht, wenn du es nicht schaffen würdest, seine Nähe zu finden, seine Hilfe zu erfahren …
Bei Gott kommst du nicht zu kurz. Aber suchen musst du ihn immer wieder, denn er ist kein bleibender, selbstverständlicher Besitz, genausowenig wie der Mensch, den du liebst, genausowenig wie die Liebe, die du brauchst. Amen.

[Anmerkung der Redaktion: Die von Pfr. Miorin verfasste Predigt wurde bereits veröffentlicht in: DIE ANREGUNG, Nettetal 1996; S. 290f]

Pfr. Albert L. Miorin

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