Predigtimpuls
Achtsamkeit
1. Lesung: Weis 6,12-16
2. Lesung: 1Thess 4,13-18
Evangelium: Mt 25,1-1
Am Ende des Kirchenjahres legt das Evangelium die Achtsamkeit ans Herz. Die zwei Lesungen sind gut gewählt, sie unterstützen das Thema. Das Buch der Weisheit (erste Lesung) erklärt, dass die Weisheit die Grundlage dafür ist. Der Brief an die Thessaloniker (2.Lesung) nennt den Tod „entschlafen“, er führt in die Gemeinschaft mit Gott, ein achtsames Leben ist die Grundlage.
Das Gleichnis vom Himmelreich
Der Autor des Evangeliums erklärt seinen Lesergemeinden das Thema mit einem Gleichnis. Er greift ein Gleichnis Jesus von einem großen Hochzeitsfest auf. Darin geht es um die rechte Einstellung der Menschen.
Im Gleichnis erwarten zehn junge Frauen mit Lichtern in den Händen den Hochzeitszug des Bräutigams, um ihn festlich zu empfangen und in den Festsaal zu geleiten. Äußerlich ist alles in Ordnung, alle zehn junge Frauen sehen gleich aus, doch der Evangelist merkt an, fünf Mädchen sind klug, aber fünf töricht. Antike Darstellungen zeigen, wie die Lichter der Frauen aussehen. Sie stellen nicht um Lampen dar, sondern Fackeln. Man weiß, dass die Fackeln Öl brauchen, um sie zu entzünden. Für das Öl ist am oberen Ende ein kleines Gefäß angebracht.
Im Gleichnis verzögert sich die Ankunft des Bräutigams. Die jungen Frauen ermüden und schlafen ein. Mitten in der Nacht erschallt der Ruf, der Bräutigam kommt, da stehen die jungen Frauen und richten ihre Fackeln. Nun geraten die törichten Mädchen in Panik: Sie können die Fackel nicht entzünden, sie haben auf das Öl vergessen. Sie waren so sorglos, dass sie auch während der Wartezeit auf das Öl vergessen haben.
Der Autor des Evangeliums deutet damit an, dass das Warten auf die Wiederkunft des Messias eine geschenkte Zeit ist, um sich auf sein Kommen vorzubereiten. Die Lebenszeit ist eine Zeit des Vorbereitens. Die Entscheidung muss in der jeweiligen Gegenwart und nicht irgendwann in der Zukunft fallen, selbst ab und zu ermüdender Schlaf lähmt.
Das Gleichnis schildert die Tragödie, die alle treffen kann, wenn sie konsequent leben: Die klugen Mädchen ziehen mit dem Bräutigam in den Hochzeitssaal, die nachlässigen stehen verzweifelt vor der verschlossenen Tür.
Lohn der Klugheit
Kluge, achtsame Menschen bauen vor. Selbst, als die klugen Mädchen ermüden und schlafen, bleiben sie vorbereitet. Ein negatives Beispiel ist der reiche Mann, töricht konzentriert nur auf die Vermehrung seines Reichtums. Wie die nachlässigen Mädchen steht er plötzlich vor der Tragödie.
Blicken wir noch einmal auf das Gleichnis. Es fasst das Leben zusammen, es beginnt, wie jedes Leben mit der Zukunft: Dann, also wenn er kommt, wird es mit dem Himmelreich sein….
Das Gleichnis schließt wieder mit einer Zeitangabe, sie leitet den Blick auf das Ende des Lebens: Später, also nach der Ankunft des Bräutigams. Im Gleichnis heißt es: Da kamen auch die anderen Mädchen… Doch die Tür ist geschlossen. Der Aufschub auf „Später“ ist nicht zu raten, es kann zu spät sein.
Achtsamkeit
Im Gleichnis geht es um die richtige und rechtzeitige Entscheidung. Niemand kann sich drücken, entweder ist man auf der einen Seite oder auf der anderen. Das Jetzt entscheidet.
Im Trubel des Alltags, mit dem Sturm unzähliger, oft bedrückenden Informationen, ist es geraten, sich von Zeit zu Zeit dem Trubel zu entziehen. Hilfreich ist, sich täglich eine Auszeit zu nehmen, um ganz bei sich zu sein und sich zu sammeln. Jeder Mensch hat einen inneren Raum. In diesem Raum schaltet er bewusst störenden Lärm aus. Wer es täglich tut, überdenkt sein Leben und lernt zu unterscheiden, er geht gestärkt aus der Kammer und ist für ein achtsames Leben gerüstet. Es wirkt sich auch als Segen für die Mitmenschen aus.
Ein Sprichwort sagt: Lebe so, als würdest du morgen sterben.