2. Sonntag im Advent (A)

Predigtimpuls

An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf ein Reis hervor, ein junger Trieb.

1. Lesung: Jes 11,1-10
2. Lesung: Röm 15,4-9
Evangelium: Mt 3,1-12

An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf ein Reis hervor, ein junger Trieb.

Wir dürfen uns das ruhig bildlich vorstellen. Ein alter Baumstumpf, morsch vielleicht schon und von Moos überwachsen. Sterbliche Überreste sozusagen eines einmal mächtigen Baumes. Und da, irgendwo aus der Seite, unscheinbar noch und leicht zu übersehen, wächst ein junger Trieb, ein kleiner Zweig, zwei drei Blätter sind dran.

Dem aufmerksamen Wanderer begegnet dieses Bild öfter bei Spaziergängen im Wald. Und sicher haben einige von ihnen dieses Wachstum der Natur im eigenen Garten: ein alter Stamm, tot geglaubt, und daraus entspringt, erwächst ein junger Trieb, voller Saft und Frische.

Oft ist uns dieses neue Wachstum aber gar nicht mehr so recht. Denn den alten Baum, den haben wir ja ganz bewusst umgeschnitten. Weil er schon zu alt war, weil er gestört hat, zu viel Schatten vielleicht vorm Fenster oder die Wurzeln zu nahe bei der Hausmauer. Deshalb sollte er ja weg und deshalb sollte er auch nicht mehr neu keimen und treiben. Und doch: Die Natur ist stark. Auf altem, morschen und tot geglaubten Grund wächst neues Leben oft noch viel besser.

In der heutigen Lesung vergleicht der Prophet Jesaja das Kommen des erhofften Messias mit so einem Bild: „An jenem Tag wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“
Und Johannes der Täufer verbindet diese Ankündigung des Messias mit einer eindringlichen Aufforderung zur Umkehr. Wörtlich sagt er: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.“
Das Wachstum neuen Lebens wird verbunden mit dem Ruf zur Umkehr. Nicht nur verbunden. Mehr noch: das Eine setzt das Andere voraus: Dort, wo Menschen – wo wir – umkehren, uns neu ausrichten, ablassen von Altem und Verwerflichen, neue Wege wagen, dort kann neues Leben wachsen.

Die Notwendigkeit zur Umkehr dürfte geschichtlicher Hintergrund für die heutigen Textstellen gewesen sein, sowohl zur Zeit des Propheten Jesaja als auch während der Predigerjahre des Johannes. Ungerechtigkeit und Unterdrückung hat es gegeben, Streit und Kampf. Faul und morsch war das Miteinander der Menschen und Völker. Aus dem einstmals starken Baum eines davidischen Königreiches ist nur mehr ein abgestorbener Baumstumpf geblieben. Aber genau aus diesem wächst ein junger Trieb und bringt Frucht. Und seine Frucht ist ein friedvolles Miteinander, ein friedliches Bild, wie wir es uns nur schwer vorstellen können: Dann wohnt der Wolf beim Lamm, Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten.

Freilich ist das messianische Endzeitvorstellung, etwas das wir wohl hier auf Erden nie ganz erreichen werden. Aber es ist etwas, das hier und heute beginnen möchte. Und es beginnt dort, wo wir dem so eindringlichen Zuruf des Johannes aus dem heutigen Evangelium nicht nur hören, sondern auch im Kleinen versuchen zu befolgen, sein Aufruf: Kehrt um! Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.

Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Streit, ... das alles gibt es auch heute. Das ist unser fauler und morscher Baumstumpf und der ist mitten in unserem Garten. Wo wir umkehren, wo wir nicht mittun in der Ungerechtigkeit unserer Zeit, dort kann auch heute und in unserem Garten ein Reis hervorsprießen, ein junger Trieb zum Leben erwachen.

Pater Josef Denkmayr SVD

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