Taufe des Herrn (A)

Predigtimpuls

Die Taufe Jesu ist das Urbild unserer Taufe.

1. Lesung: 42 5a.1-4.6-7
2. Lesung: Apg 10,34-38
Evangelium: Mt 3,13-17

Jesus hat sich von Johannes dem Täufer taufen lassen. Das ist ein historisches Faktum – ebenso sicher wie die Kreuzigung Jesu. Warum können wir uns dessen ganz sicher sein?

Weil, als die Kirche zur Glaubensüberzeugung kam, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, die Tatsache, dass Jesus sich hat taufen lassen, zum Stein des Anstoßes wurde. Der Evangelist Matthäus formuliert das Anstößige an der Taufe Jesu ganz ausdrücklich:

Johannes aber wollte es nicht zulassen [dass sich Jesus von ihm taufen ließ] und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.

Wenn Jesus viel mehr als Johannes ist, wenn Johannes nicht einmal würdig ist, ihm die Sandalen zu lösen, dann müsste doch Jesus Johannes taufen und nicht umgekehrt. Wie kann der, der ohne Sünde ist, „die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ empfangen? Die Urkirche hatte ein Problem mit der Taufe Jesu durch Johannes. Aber dass dieses Ereignis nun einmal stattgefunden hat, das konnte sie nicht leugnen und umgehen. Alle drei Synoptiker berichten von der Taufe Jesu durch Johannes. Das Johannesevangelium erwähnt zwar den Taufvorgang nicht, setzt ihn aber voraus, wenn es sagt: Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.

Es gibt eine Reihe von Exegeten, die behaupten, dass Jesus selbst seiner Taufe den Rang eines Berufungserlebnisses zugemessen hat. Jesus hat im Vorgang seiner Taufe seine Berufung zum Propheten und seinen Auftrag zum öffentlichen Auftreten erfahren. Wie kommen sie auf diese kühne Behauptung? Aufgrund der Perikope von der Frage nach der Vollmacht Jesu:

Mk 11,27 Sie kamen wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 28 und fragten ihn: In welcher Vollmacht tust du das? Wer hat dir diese Vollmacht gegeben, das zu tun? 29 Jesus sagte zu ihnen: Ich will euch eine Frage stellen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich das tue. 30 Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir! 31 Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32 Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle hielten Johannes wirklich für einen Propheten. 33 Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue.

Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten fragen Jesus nach seiner Vollmacht. Was berechtigt ihn zum seinem öffentlichen Auftreten als Prophet? Jesus antwortet mit der Gegenfrage: Stammt die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Das kann doch nur bedeuten: Wenn die Taufe des Johannes von den Menschen stammt, dann hat Jesus keine Vollmacht. Wenn sie aber vom Himmel stammt, dann ist Jesus berechtigt, als Prophet aufzutreten. Jesus scheint seine göttliche Legitimation abgeleitet zu haben von dem, was er bei der Taufe erfahren hat. Jesus scheint bei seiner Taufe seine Berufung zum Propheten erlebt zu haben.

Alle drei Synoptiker schildern nach dem Taufvorgang eine Vision und eine Audition. Bei Matthäus und bei Lukas wird die Vision und Audition als ein objektives Geschehen geschildert, das alle Anwesenden sehen und hören können. Bei Markus aber wird die Vision und Audition als ein subjektives Geschehen geschildert, das nur Jesus zuteil wird:

Mk 1,10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er [Vision], dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach [Audition]: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Die Vision besteht darin, dass Jesus sieht, wie der Himmel sich öffnet und der Geist Gottes auf ihn herabkommt. Die Audition besteht darin, dass Jesus eine himmlische Stimme hört, die sagt: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Diese Worte stammen aus dem Alten Testament. Dort spricht Gott diese Worte zum Messias. Diese Worte sind mehr noch als eine Berufung zum Propheten, sie sind die Ausrufung, die Proklamation Jesu zum königlichen Messias.

Messias heißt auf Griechisch „Christus“. Christus heißt auf Deutsch „Gesalbter“. Und der Gesalbte ist der, auf dem der Geist Gottes bleibend ruht und über dem der Himmel offen steht. Wenn wir uns Christen nennen, dann bezeichnen wir uns als „Christusse“, als Gesalbte, als Geistmenschen, als die, mit denen das Reich Gottes, das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, kommt, als Menschen, die Himmel und Erde miteinander verbinden.

Die Taufe Jesu ist das Urbild unserer Taufe. Mögen wir im Lauf unseres Lebens zu dem werden, zu dem uns die Taufe bereits gemacht hat.

Pater Michael Kreuzer SVD

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