17. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

«Auf der Suche nach dem Schatz»

1 Kön 3,5,7-12
Röm 8,28-30
Mt 13,44-52

Vor einigen Jahren erregte eine Nachricht weltweite Aufmerksamkeit: „Milliarden-Schatz in Indien entdeckt. In den unterirdischen Kammern eines indischen Tempels aus dem 16. Jahrhundert fand ein Forscherteam einen enormen Schatz, dessen Wert auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt wurde. Dieser Tempel hatte insgesamt sechs unterirdische Kammern. Darin wurden 536 Kg Goldmünzen, diamantbesetzte Teller, Rubine, Smaragde und vieles andere mehr gefunden.“

Vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten haben Menschen ihre Wertsachen oftmals versteckt, häufig vergraben, um sie vor Plünderung und Diebstahl zu sichern. Nicht selten geschah es dann, dass nach der Vertreibung der Eigentümer oder nach deren Tod ein Schatz in der Erde oder sonst wo verborgen blieb, manchmal bis heute, oder bis er später entdeckt wurde. - In Europa gibt es derzeit so viele Schatzsucher und Sondengänger wie nie zuvor, die mit entsprechenden Geräten über abgeerntete Äcker oder durch Wälder ziehen, in der Hoffnung, etwas Wertvolles zu finden. Meistens bleibt es aber bei verrosteten Nägeln oder Blechbüchsen. Aber es gibt auch immer wieder Schatzsucher, die spektakuläre Funde machen. In Deutschland müssen allerdings solche Schätze zumeist an die jeweilige Behörde abgegeben werden.

Nach jüdischem Gesetz gehörte ein gefundener Schatz dem, auf dessen Grund und Boden er gefunden wurde. Diese Rechtsordnung setzt ein kurzes Gleichnis Jesu voraus: Jemand entdeckt einen Schatz. Doch der liegt nicht auf seinem Grundstück. Also gehört er ihm nicht. Um ihn zu besitzen, muss er versuchen, den Grund und Boden zu erwerben, auf dem er den Schatz gefunden hat. Deshalb vergräbt er den Schatz zunächst wieder, setzt dann aber alles daran, den Acker zu kaufen, um rechtmäßiger Besitzer des entdeckten Schatzes zu werden. Dieser ist ihm so viel wert, dass er bereit ist, seinen gesamten Besitz dafür zu opfern. – Mit einer derartigen Kostbarkeit, mit einem wertvollen Schatz oder einer außerordentlich wertvollen Perle vergleicht Jesus das „Himmelreich“, die neue Welt Gottes, das zentrale Thema seiner Frohbotschaft. Gegenüber der Anteilhabe an dieser neuen Welt verblasst jeder andere Wert. Darum lohnt es sich, so Jesus, alles zu geben, um jenen Schatz zu besitzen. In der Bergpredigt beschreibt er die Werte des Reiches Gottes mit Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit. In jener neuen Welt gelten andere Maßstäbe als in der weltlichen Gesellschaft.

Damit wir Christen begreifen, was für einen Schatz Gott für uns bereithält, dürfen wir nicht warten, dass uns die neue Welt Gottes vom Himmel in den Schoß fällt. Das wird nicht geschehen. Vielmehr müssen wir auf Schatzsuche gehen, die neue Welt Gottes für uns entdecken und Teil davon zu werden. Viele Dinge, die in den oben erwähnten TV-Sendungen zum Kauf angeboten werden, sind sog. Flohmarktfunde. Da stehen Menschen regelmäßig sehr früh auf und suchen auf Flohmärkten nach Kostbarkeiten. Es ist eine regelmäßige, akribische Suche, bis man vielleicht den Fund seines Lebens gefunden hat. – So etwas schwebt Jesus im Evangelium vor: ‚Macht euch auf die Suche und entdeckt die unschätzbar wertvolle neue Welt Gottes. Sie wird euer Leben verändern, wird euch „reicher“ und glücklicher machen, als alle Schätze der Welt.

P. Manfred Krause SVD

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