Predigtimpuls
"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein."
Erste Lesung: Apg 1, 1–11
Zweite Lesung: Eph 1, 17–23
Evangelium: Mt 28, 16–20
Es ist ein Bild, dass wohl alle kennen: bei einer Hochzeitsfeier steigen zu einem bestimmten Zeitpunkt, oft nach der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung, bunte Luftballons mit Glückwunschkarten in den Himmel hinauf. Wenn sich dieser dann noch azurblau darbietet, ist es ein wirklich toller Anblick. Dabei fällt mir das Lied von Reinhard Mey ein, dass im Jahr 1974 zu einem wirklichen Hit wurde: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Wir senden Hoffnungen, Wünsche nach Freiheit, Träume, die in die Zukunft tragen, in den Himmel. Wir wollen raus aus dem Alltäglichen. Ob diese Gedanken auch bei den in den Himmel schauenden Jüngern vorherrschten? Ich glaube nicht. Sie spüren, wie die gemeinsame Zeit mit Jesu zu Ende ist. Da tut sich eine Leere auf. Es kann sich Trauer breitmachen.
Das Fest heute, Christi Himmelfahrt, lässt uns Christen fragen: Wohin geht unsere Reise einmal, wohin führt uns unser Glaube an den Herrn, der nun im Himmel ist? Das sind Fragen, die uns beschäftigen und auf die wir gerne eine Antwort hätten. An den Luftballons hängen Zettel mit Wünschen und Hoffnungen, von denen wir hoffen, dass sie in Erfüllung gehen. Das ein oder andere sicher, aber wir spüren ebenso, dass unsere Welt so manches nicht erfüllen kann. Da haben wir Sehnsucht „nach mehr“. Es kommt vor, da erleben wir einen Moment des Glücks, der Freude und Geborgenheit, das man meinen könnte: so ist der Himmel, nach dem wir uns sehnen.
Nelly Sachs, die von 1891 bis 1970 lebte, dichtete: „Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. – Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. – Und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. -Fing nicht auch deine Menschwerdung Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an? – So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, dich zu suchen, und lass sie damit enden, dich gefunden zu haben.“ Das Matthäusevangelium beginnt mit der Verkündigung an Maria und dem Wort: „Man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt: Gott mit uns.“ Und es endet, wir haben es eben gehört, mit der Verheißung: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Mit ihm in unserer Mitte lässt sich unser Leben gestalten, so, dass es Sinn und Ziel hat und dann ist auch der Weg zum Himmel frei. Amen.
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