Indonesien
Ein Steyler Missionar befreit psychisch Kranke aus ihren Fesseln in Indonesien.

Auf der indonesischen Insel Flores ist die Situation für viele psychisch kranke Menschen dramatisch. Aus Angst, Überforderung und fehlendem Wissen sehen Familien oft keinen anderen Ausweg, als ihre Angehörigen einzusperren oder zu fesseln. Diese Praxis, bekannt als "Pasung", bedeutet für die Betroffenen den vollständigen Verlust ihrer Freiheit.
Die Menschen werden an Holzblöcke gekettet oder in engen Räumen eingeschlossen und das teilweise über viele Jahre hinweg. Sie haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, können sich oft nicht waschen und leben ohne soziale Kontakte. Nahrung wird ihnen häufig nur durch kleine Öffnungen gereicht.
Obwohl "Pasung" offiziell verboten ist, gehört diese Form der Isolation für viele weiterhin zum Alltag. Die Kombination aus gesellschaftlicher Stigmatisierung und fehlender Unterstützung führt dazu, dass psychisch kranke Menschen nicht behandelt, sondern ausgegrenzt werden und in vielen Fällen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen.

Seit 2013 setzt sich P. Aventinus Saur SVD gemeinsam mit einem engagierten Team für diese Menschen ein. Sein Ziel: Betroffene aus ihren Fesseln zu befreien und ihnen eine angemessene Behandlung zu ermöglichen.
Gemeinsam mit Freiwilligen versorgt er die Betroffenen mit Nahrung, Medikamenten und Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig arbeitet er daran, die gesellschaftliche Ausgrenzung zu überwinden und neue Perspektiven zu schaffen.


Der Weg zurück in ein würdevolles Leben ist oft lang. Bis eine Behandlung in einem Rehabilitationszentrum möglich ist, kümmern sich P. Aventinus Saur SVD und sein Team direkt vor Ort um die Betroffenen.
Für viele ist diese Hilfe der erste menschliche Kontakt seit Jahren. Schritt für Schritt werden sie stabilisiert, begleitet und schließlich in ein Reha-Zentrum gebracht, wo sie weiter behandelt werden können.

Herr Yuel verbrachte 24 Jahre seines Lebens gefesselt an einen Holzblock. Ohne Bewegungsfreiheit, ohne Hygiene, ohne soziale Kontakte.
Erst durch den Einsatz von P. Aventinus Saur SVD konnte er befreit werden. Nach intensiver Betreuung lernte er wieder zu gehen und wurde schließlich in ein Rehabilitationszentrum gebracht.
Unterstützt wird die Arbeit von über 100 Freiwilligen, die sich in der initiative "Kelompok Kasih Insanis" ("Gruppe der Menschlichkeit") zusammengeschlossen haben.
Neben der direkten Hilfe für Betroffene leisten sie auch Aufklärungsarbeit: Familien werden über den Umgang mit psychischen Erkrankungen informiert, Vorurteile werden abgebaut und ein respektvoller Umgang gefördert.

Auf Flores leben rund 2 Millionen Menschen, etwa 10.000 davon mit psychischen Erkrankungen.
Aufgrund fehlender medizinischer Versorgung und gesellschaftlicher Stigmatisierung werden viele von ihnen ausgegrenzt oder eingesperrt. Ein Großteil erlebt im Laufe seines/ihres Lebens die Fesselung an einen Holzblock.
