Weihnachten in Paraguay

PY

28. Dez 2023

Der Vorarlberger Clemens Thurnher ist als Missionar auf Zeit in Paraguay. In seinem Brief berichtet er, wie Weihnachten in dem südamerikanischen Land gefeiert wird.

Clemens Thurnher vor dem Weihnachtsbaum im Zentrum

Ich bin nun schon seit fast vier Monaten in Paraguay in meiner Projektstelle CEFA, der landwirtschaftlichen Schule mit Internat in Curuguaty. Jetzt ist der Sommer so richtig angekommen, teilweise ist es über 40°C heiß und es regnet wenig. Bei der täglichen Arbeit auf dem Feld und mit den Tieren lerne ich viel dazu und auch die zweite offizielle Sprache in Paraguay, Guarani, lerne ich „poco a poco“ mit den Schülern während der Unterhaltungen. Durch die sommerliche Stimmung hat sich der Advent dieses Jahr sehr leise angeschlichen und Weihnachten klopft an die Tür.
Dieses Jahr wird wohl alles ein bisschen anders. Das ist das erste Weihnachten, an dem meine Familie nicht komplett ist – und ich ohne Familie. Seit ich ein Kind war, habe ich immer auf weiße Weihnachten gehofft, dass es das für mich heuer nicht geben wird, ist sonnenklar...
Mir gefällt die Adventszeit, weil es eine Zeit zum Ruhigwerden und sich besinnen ist. Advent war für mich immer verbunden mit der Vorstellung von Kerzenlicht in der warmen Stube, während es draußen dunkel und kalt ist. Das schöne wohlige Gefühl, das mich immer durch die Weihnachtszeit begleitet hat. Auch lernte ich jedes Jahr aufs Neue wieder etwas mehr meine Familie zu schätzen. Gemeinsames Singen, Kekse backen und natürlich Weihnachten als Höhepunkt, da Zeit mit der Familie verbracht wird. Die Adventszeit, eine Zeit zum ruhig werden, lässt mich wieder mehr in mich hineinhören, die kindliche Vorfreude wird geweckt. Weihnachten, das Fest der Liebe, das verbindet und der Seele Wärme spendet.

In den Weihnachtsferien ins Freibad

Ich musste heuer selbst für die Adventsstimmung sorgen, weil einfach ein großer Teil dessen, was für mich an Weihnachten wichtig ist, gefehlt hat. Als ich einmal in Badehose auf dem Fahrrad Richtung Freibad gedüst bin und die erste Weihnachtsbeleuchtung samt Weihnachtsbaum sah, musste ich schmunzeln und mir ein Lachen verkneifen, weil das für mich etwas absurd war...
Inzwischen habe ich es mir aber selbst ein wenig weihnachtlich gemacht und ein paar Adventlieder auf der Gitarre ausprobiert. Auch bin ich einmal am Abend ins Stadtzentrum gefahren, um im Dunkeln den Anblick des großen Weihnachtsbaumes zu genießen. Natürlich habe ich mit den Schülern hier auch schon fleißig “Feliz Navidad” gesungen!
Im reichen Westen wird um Weihnachten natürlich ein großer Trubel gemacht, hier ist Weihnachten nicht so eine Riesensache. Aber es macht sich bemerkbar, dass die westliche Kultur mehr und mehr Einfluss nimmt. Die Leute stellen künstliche Weihnachtsbäume auf, Tannen gibt es hier ja nicht. Beschenkt hat man sich früher meines Wissens nicht ausgiebig, das kam auch mit der westlichen Kultur dazu.
An Weihnachten gibt es dann traditionell ein großes Familienessen und es wird auch viel getrunken. Asado (also Schweine- oder Kuhfleisch vom Grill) Sopa Paraguaya (eine Art Maiskuchen) und Maniok gehören natürlich mit dazu.
Außerdem spielen die Kinder mit Feuerwerkszeug, wie bei uns an Silvester. Und die Ferien werden dann damit verbracht, sich im Schwimmbad oder in den Bächen und Flüssen abzukühlen.
An der CEFA wurde außerdem ein Adventskranz aus Yerba-Mate gebastelt (die Pflanze, aus deren Blätter berühmte Mate und Tereré gemacht wird). Leider wurde er aber nicht fertig gestellt, weil er zu groß angefangen wurde...

In der CEFA wurde der Adventkranz aus Zweigen der Yerba-Mate gebastelt.
In der CEFA wurde der Adventkranz aus Zweigen der Yerba-Mate gebastelt.

Große Freude über das Geschenkpaket

Was mir dieses Jahr gar nicht so wichtig ist, sind Geschenke. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich auch nicht mit großer Bescherung rechne, aber dadurch, dass ich das Fest nicht mit meiner Familie verbringen kann, wird mir erst so richtig bewusst, was an Weihnachten im Mittelpunkt steht. Nächstes Jahr werde ich das wohl umso mehr genießen.
Trotzdem gab es schon eine “kleine Bescherung“, als alle Lehrer UND ich ein Geschenkpaket mit Leckereien, Yerba Mate und Sekt bekommen haben. Darüber habe ich mich riesig gefreut. Diese frühe Bescherung gab es, weil der Padre und Direktor der CEFA, Pasqual Kinoti vor einer Woche abgereist ist, um zwei Monate seine Heimat, Kenia, zu besuchen. Ich wurde von Padre Kanute (ursprünglich aus Indien) eingeladen, das Fest bei ihm in der Parroquia in Salto del Guairá in der Nähe der brasilianischen Grenze zu verbringen. Außerdem werden wir danach nach Encarnación im Süden an der Grenze zu Argentinien fahren, dort gibt es jedes Jahr eine große Réunion der ganzen Steyler in Paraguay. Darauf freue ich mich sehr, denn es bietet eine Möglichkeit, mehr vom Land zu sehen und ein wenig Abwechslung zur CEFA-Routine zu schaffen.
Ich freue mich schon auf dieses andere Weihnachten und hoffe, auch mit diesen neuen Menschen gemeinsam eine schöne gemeinschaftliche Zeit zu haben. Auch wird der kulturelle Austausch, Geschichten, die erzählt werden und Traditionen, die geteilt werden, sicher spannend. Außerdem kann ich am 24. am Nachmittag per Video-Call bei der Bescherung meiner Familie dabei sein, da ist der Zeitunterschied doch ganz praktisch!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von Herzen Feliz Navidad y Feliz Año Nuevo!

Clemens Thurnher

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